Wer sich selbst entkommt, ist noch lange nicht frei

Wer an Hermann Hesse denkt, dem kommen meist Weltbestseller wie Siddhartha, Der Steppenwolf oder Demian in den Sinn. Doch ein oft übersehenes, erzählerisch bemerkenswertes Werk seines Œuvres ist die Novelle Klein und Wagner. Erstmals im Oktober 1919 in der Zeitschrift Vivos Voco vorabgedruckt, markiert sie einen der radikalsten Wendepunkte in Hesses Leben und Schreiben. Ich habe den Text in einem Rutsch gelesen, war sofort drin in der Geschichte. Doch was macht diese vergleichsweise schmale Novelle so zeitlos – und warum war sie für Hesse ein derart wichtiger Text?

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Wallanders Rückkehr aus der Finsternis

Wiederlesen ist fast so schön wie Wiedersehen. Bei Der Mann, der lächelte von Henning Mankell habe ich mir diesmal eine weitere Dimension gegönnt: das Wiederhören. Ermöglicht hat dies das wunderbar produzierte Hörspiel von Christian Hagitte und Simon Berteling (Der Hörverlag). Der Roman ist hier auf 107 Minuten komprimiert – doch das so geschickt, dass kaum ein Spannungsmoment fehlt. Eine großartige Inszenierung mit Heinz Kloss als Kurt Wallander und dem 2025 verstorbenen Christoph Schobesberger. Wer es lieber etwas ruhiger mag und die tiefe Einsamkeit des Kommissars spüren will, dem sei die Lesung von Ulrich Pleitgen ans Herz gelegt, die den schwermütigen Kern der Figur besser einfängt als die zügige Hörspiel-Fassung. Oder man greift natürlich zum Buch.

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In der neurechten Blase

Satire darf nicht nur wehtun, sie muss es manchmal sogar. Zornfried von Jörg-Uwe Albig ist in der Tat schmerzhaft – und das auf die beste, weil entlarvendste Art. Wer der Ideologie der alten oder Neuen Rechten verfallen ist, wird diesen Roman wohl kaum freiwillig lesen (oder sich erfolgreich einreden: Das betrifft mich nicht). Für alle anderen ist das Buch ein aufschlussreicher, bitterböser Einblick in die neurechte Blase – und eine Warnung, die weit über die Medienwelt hinausreicht.

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Wenn Weltpolitik im Vorgarten landet

Henning Mankell hat zwei Szenen geschrieben, die sich fest in meinem Gedächtnis eingebrannt haben. Ich kann das Kopfkino auch über 30 Jahre nach der ersten Lektüre jederzeit starten. Beide Szenen stammen aus Die weiße Löwin, für mich der vielleicht beste Roman der Reihe.

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Größe, Flucht und Schuld

Es kann gut sein, dass ich schon einmal über Herbert gelesen habe. Vielleicht 2008, in einem Spiegel-Artikel über eine „Harakiri-Expedition“ in die Antarktis. Ein Thema, das mich ohnehin interessiert – spätestens befeuert durch Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis. Auch zu Herbert gibt es zahlreiche Artikel. Zu jenem Herbert also, der im wirklichen Leben Herbert Schröder-Stranz hieß und seit 1912 als verschollen gilt. Jetzt setzt ihm Bernhard Schlink eine Art literarisches Denkmal – im Roman Olga, der mir, ungekürzt und ausdrucksstark gelesen von Burkhart Klaußner, sehr gut gefallen hat.

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