Goethe, Schall, Rauch

Dass Namen gern in Schall und Rauch aufgehen, ist hinlänglich bekannt. Der Name Goethe ist allerdings von ganz anderer Qualität. Sein Name steht felsenfest in der Erinnerungskultur, wie auch immer diese Kultur aussehen mag. Charles Lewinsky nennt seinen Roman Rauch und Schall und beschreibt Goethe höchst menschlich, wobei bereits der erste Satz den Ton setzt: Goethe hatte Hämorrhoiden.

Mit dieser profanen, schmerzhaften Realität holt Lewinsky den olympischen Dichterfürsten im Spätherbst 1814 vom Sockel. Wir begegnen einem 65-jährigen Geheimrat, der auf dem Höhepunkt seines Ruhms steht, sich zur Kur im thüringischen Bad Tennstedt befindet, aber unter einer hartnäckigen literarischen Blockade und körperlichen Leiden leidet. Das monumentale Ego ist blockiert – bis ein junger, mittelloser Regionalschriftsteller die Bühne betritt: Christian August Vulpius.

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Auf der Suche nach dem weißen Licht

Literatur schenkt Erfahrungen. Im besten Fall sorgt sie für Rausch – ganz ohne die ungesunden Konsequenzen, die der Konsum realer Substanzen im echten Leben mit sich bringt. Tragisch ist dabei nur, dass ausgerechnet diejenigen, die uns diesen fiktiven Rausch ermöglichen, oft selbst unter einer künstlich heraufbeschworenen Bewusstseinserweiterung gelitten haben. Edgar Allan Poe und sein in Wein gelöstes Opium (Laudanum) ist ein Beispiel von vielen; Georg Trakl, der als Apotheker leichten Zugang zu Morphin hatte, ein anderes. Auch T.C. Boyle kennt sich aus eigener Erfahrung mit den Abgründen synthetischer Drogen aus. Genau deshalb geht ein Roman wie Das Licht so unglaublich in die Tiefe.

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Menschsein unter der Glasglocke

Wer mich nach der besten Mediensatire der vergangenen Jahre fragt, bekommt eine prompte und unmissverständliche Antwort: Die Terranauten von T.C. Boyle. Menschen zu isolieren und ihr Zusammenleben als mediales Spektakel zu verkaufen – daran hat sich das Reality-TV im Fernsehen schon oft auf erbärmliche Weise versucht. Doch während das klassische Container-Format an der eigenen Oberflächlichkeit krankt, hebt T.C. Boyle das Prinzip auf ein völlig neues Niveau. Man stelle sich vor, die soziale Isolation bekäme einen tiefen, scheinbar unumstößlichen wissenschaftlichen Hintergrund. Ein naturwissenschaftliches Großexperiment vor den Augen der Weltöffentlichkeit: Kann der Mensch in einer künstlich geschaffenen, abgeschlossenen Atmosphäre überleben? Er kann es sicherlich – die Frage ist nur: wie? Denn in letzter Konsequenz bleibt der Mensch eben doch nur Mensch. Passend dazu bekannte Boyle einst in einem Interview mit Denis Scheck, dass sein Herz „black inside“ sei.

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Der Mann, der die Zauberwelt entzauberte

Dass er ein Österreicher ist, hatte mein liebster Germanistikprofessor plakativ auf seiner Sprechzimmertür dokumentiert. Durch ihn wurde ich – vermutlich schon im ersten Semester – auf Johann Nepomuk Nestroy aufmerksam, den „wienerischen Shakespeare“. Dass ich mein Studium Jahre später mit Nestroy abschließen sollte, ahnte ich damals noch nicht. Das Wiener Vorstadttheater, dessen prägende Gestalten neben Nestroy Ferdinand Raimund und der Theaterdirektor Carl Carl waren, hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.

Wer war dieser Mann, den der Wiener Kritiker Karl Kraus später als den größten deutschen Satiriker würdigen sollte?

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Warum Der Name der Rose mein Lieblingsbuch ist

Ich sehe mich im Sommer auf einer Liege im Garten. In den Händen halte ich ein Buch – für mich das Buch, wie sich bald herausstellen sollte: Der Name der Rose von Umberto Eco. Es muss irgendwann um 1990 gewesen sein, in den Monaten zwischen Bundeswehr und Studium. Das Leben insgesamt war erstaunlich schön, aber doch ziemlich kompliziert, was in dieser Phase wohl völlig normal ist.

Ausflüge – ich sage bewusst nicht Fluchten – in die Literatur gehörten damals längst zu meinem Alltag. Während viele meiner Altersgenossen ihre Freizeit vor allem mit Filmen verbrachten, zog es mich immer wieder in Bücherwelten.

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