Das Spiel mit Schein und Sein

Dass Namen gern in Schall und Rauch aufgehen, ist hinlänglich bekannt. Der Name Goethe ist allerdings von ganz anderer Qualität. Sein Name steht felsenfest in der Erinnerungskultur, wie auch immer diese Kultur aussehen mag. Charles Lewinsky nennt seinen Roman Rauch und Schall und beschreibt Goethe höchst menschlich, wobei bereits der erste Satz den Ton setzt: Goethe hatte Hämorrhoiden.

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Nähe, Schmerz und Papier

Manche Bücher sind Lebensbücher: immer wieder hervorgeholt, immer wieder gelesen. Für mich gehört Goethes Die Leiden des jungen Werther unbedingt dazu. Vielleicht ist es die Form des Briefromans, die den Lesenden eine beinahe beängstigende Nähe zur unglücklichen Hauptfigur aufzwingt. Diese Nähe funktioniert damals wie heute – auch wenn der literarische Brief im Erscheinungsjahr 1774 bereits ein etabliertes Mittel war.

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Goethe vom Sockel geholt

Ich bin Goethe nur selten so nahe gekommen wie in diesem Stück Biographie-Literatur. Höchstens beim Besuch in Weimar: im Gartenhaus an der Ilm, im Wohnhaus am Frauenplan oder abends im Theater, als eine Goethe-Fantasie gegeben wurde, in der es um die Wirkung des Geheimrats auf Frauen ging. Nein, gelesen von Frank Arnold, teilweise auch von Autor Rüdiger Safranski selbst, hat mir das Hörbuch Goethe – Kunstwerk des Lebens sehr gut gefallen, danach dann auch die vollständige Printausgabe.

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Ein stiller Schatz voller Einsichten

Sie will nur noch das Nötigste reden. Das Schweigen, so sagt sie, bringe für gewöhnlich einen höheren Genuss. Über einhundert Jahre ist Elisabeth Heller alt, als sie ihrem Sohn André ein langes Interview gibt und somit doch nicht schweigt. Zum Glück. Das daraus entstandene Buch sollten junge und jüngere und Junggebliebene unbedingt lesen – alle anderen auch. Uhren gibt es nicht mehr von André Heller ist voller Weisheit und Geschichte.

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Die Wahrheit tanzt auf dem Seil

Kriege haben ihre Helden, ihre Täter, ihre Opfer – und ihre Narren. Letztere überleben sie meist am längsten. Sie dürfen sagen, was andere nicht aussprechen können, und sie bewegen sich zwischen den Fronten, weil sie zu keiner gehören. Tyll ist ein solcher Narr. Es hat ihn schon gegeben, lange bevor er bei Daniel Kehlmann auftrat – und erst recht im Dreißigjährigen Krieg. Kehlmann hat darüber einen Roman geschrieben, der nicht erklärt, nicht ordnet, nicht tröstet, sondern sich mit der schonungslosen Wahrheit auseinandersetzt.

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