Ein kleiner Markt voller feiner Momente

Ein kleiner, aber feiner Mittelaltermarkt war das in Minden. Keine große Reenactor-Messe diesmal – die ich immer mochte, die aber lokal wohl schwer zu stemmen ist –, sondern eine dreitägige Veranstaltung im Sommerbad.

Zum zweiten Mal ausgerichtet, und durchaus gelungen: eine dichte, freundliche Atmosphäre, dazu Leckeres, Gaukelei und Musik. Besonders schön: „Unvermeydbar“ aus Hofgeismar, die vor dem Osterfeuer spielten. Für einen Moment hatte das etwas von einem Feuer unterm Galgen – und mir kam doch glatt ein flüchtiger Gedanke an Der Name der Rose.

Lohnenswert war das alles ohnehin, auch wegen des weiterhin moderaten Eintritts von fünf Euro. Die siebenjährige Tochter kam kostenlos rein.

Auffällig ist, wie sehr sich das Publikum verändert: Mittelaltermärkte ziehen längst nicht mehr nur „klassische“ Gewandete an. Zunehmend mischt sich die Fantasy-Szene darunter – die Orks waren dabei klare Hingucker. Warum auch nicht?


Hier noch ein paar Bilder

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Die Werkstatt der gerupften Bücher

Auf dem Arbeitstisch liegt ein kleines Buch im Taschenformat. Französische Volkslieder. Der Goldschnitt glänzt noch, wenn man es gegen das Licht hält. Über allem liegt der Geruch von Papier, alten Büchern und einem Hauch Leim – der Raum wirkt wie eine kleine Zeitkapsel.

Andrea Linnenbröker arbeitet hier, zwischen Stapeln von Papierlagen, Fäden, Pressen und Büchern, die ihre Einbände längst verloren haben. Die sogenannten „gerupften“ Bücher warten darauf, wieder zusammengesetzt zu werden, ein zweites Leben zu bekommen. In einer Ecke stehen mehrere alte Buchpressen, manche historische Stücke, die Linnenbröker über Jahre zusammengetragen hat. Sie wirken schwer, aus Holz und Eisen – Maschinen aus einer anderen Zeit.

Das Fachwerkhaus, in dem die Buchbinderei heute eingerichtet ist, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Einst eine Zehntscheune, war es in den 1970er-Jahren fast abbruchreif. Die Familie Linnenbröker hat es damals saniert und ihm neues Leben eingehaucht. Bevor die Werkstatt hier einzog, befand sich in den Räumen ein Friseur. Damals hingen Preisschilder aus den Dreißigerjahren im Schaufenster. Ein Restaurator aus dem Museum ließ sich einmal dort die Haare schneiden – der Friseur verlangte zehn Mark, draußen waren 30 Pfennig ausgeschildert. „Sie haben sich dann wohl irgendwie geeinigt“, erzählt Linnenbröker lachend.

Bücher, Räume, Menschen – alles hat hier eine Geschichte. Und so wie die Bücher in der Werkstatt ein zweites Leben bekommen, trägt auch das Haus die Spuren vieler Jahre in sich.


Hier gibt es noch eine kleine Bildergalerie zum Thema.

Die leise Präsenz der Caroline von Humboldt

Und so könnte ich sie an fast jedem Morgen sehen. Denn an fast jedem Morgen komme ich mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit an ihrem Porträt vorbei – oder genauer: an der Kupferstich-Darstellung, die an der Klinkerwand des Herder-Gymnasiums angebracht ist. Gleich neben der des Namensgebers, der – so mögen es besonders schlaue Menschen bewerten – möglicherweise wichtiger gewesen sei. Die Rede ist von Caroline von Humboldt, einer ausgesprochen modernen Frau, die heute vor 260 Jahren in Minden geboren wurde.

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Ein Theater unter der Erde

Die Zeit hatte das kleine Amphitheater zugeschüttet. Erst Luftaufnahmen legten nahe, dass es im Mindener Königsglacis einst Kulturveranstaltungen gegeben hat. Auch ein Gemälde von Hans Korth aus der Zeit um 1946 deutet darauf hin.

Nun will die Stadt diese ehemalige Spielstätte wiederbeleben – was ich grandios finde. Noch ist während der Sanierungsarbeiten wenig zu sehen. Und doch: Mit ein bisschen Fantasie ist das Theater zwischen gefallenen Baumriesen bereits wieder erkennbar. Ein Ort, der sich langsam wieder erinnert.

Zum Glück hatte ich beim Spaziergang die Kamera dabei.

Die Zeit hatte Spuren hinterlassen – aus der Luft wird das Amphitheater sichtbar.
Vor über 70 Jahren hat Hans Korth das Amphitheater gemalt.
Künftig wieder ein Ort für Kultur? Find ich gut.

Im Zweifel ist der Wind stärker — und die Möwe würde lachen

Die Möwe würde lachen. Vielleicht. Oder sie würde einfach weitermachen, stehend fliegen, als sei die Schwerelosigkeit ein alter Freund.

Und während sie so dahingleitet, wundert sie sich womöglich über die verzweifelten Väter am Strand, die ihren Kindern zeigen wollen, wie das mit dem Drachen eigentlich funktioniert.

Aber es funktioniert nicht. Nicht heute. Nicht hier. Der Wind an der Ostsee lässt sich nicht zähmen. Er nimmt den Drachen, dreht ihn, schüttelt ihn und wirft ihn achtlos zurück in den Sand.

Was habe ich falsch gemacht?

Und ein paar Meter weiter findet ein Junge den Dreh – spielerisch, fast beiläufig. Der Vater würde den Seitenblick am liebsten verbieten.

Jetzt erst recht: Weitermachen. Und noch ein Versuch. Und noch einer.

Der Möwe ist das egal. Der Wind ist ihr Element. Sie muss nicht kämpfen. Sie lässt sich tragen, scheinbar schwerelos, als sei sie selbst ein Stück des Himmels. Und wenn sie lachen würde – dann vielleicht über uns.

Nicht böse. Eher freundlich. Ein wissendes Lachen derer, die längst begriffen haben, dass man manchen Dingen besser folgt, statt sie zu bezwingen.


Mehr Ostsee-Momente in der Bildergalerie.

Zwischen Mauern und Worten — Konrad Hojer im Kloster Möllenbeck

Eigentlich habe ich seit Jahren die Angewohnheit, bei von mir besuchten Orten nach literarischen Bezügen Ausschau zu halten. Haben dichtende Menschen hier ihre Spuren hinterlassen? Beim Kloster Möllenbeck in Rinteln, das ich schon seit frühen Schulzeiten wegen des dortigen Jugendgästehauses kenne, bin ich allerdings erst jetzt darauf gekommen. Dass es hier einen Subprior namens Konrad Hojer gab, der sich anno 1611 (so lange ist das her!) sogar mit einer Dichterkrone schmücken durfte, ist vollends an mir vorbeigegangen. Na ja – und bei der eigenen Hochzeit, die ich vor jetzt neun Jahren in der angrenzenden Kloster-Gastronomie gefeiert habe, hatte ich noch anderes im Sinn.

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Blüten über dem Schwedenkreuz

Zuerst kommt das Schwedenkreuz in den Blick. Es erinnert an unruhige Zeiten, an Tod und Krieg. Solche Zeiten hat es später auch noch gegeben, doch die Leichen hat man weggebracht.

Heute ist alles überwachsen, schön und duftend, auch die Erinnerung. Und es ist ein Paradies entstanden. Irgendwie. Eine Blumeninsel.

Unbedarft durchstreifen wir das Land im Kleinen, genießen die Farben, die Schönheit. Wir gehen unter Bäumen, die längst mehr gesehen haben als wir. Palmen, Rosen, Dahlien – ein Fest, das nicht enden will. Das nicht enden soll.

Und doch ist der Tag irgendwann vorüber. Wir verlassen die Insel. Und da ist es wieder: das Schwedenkreuz. Das Wasser ist unruhiger geworden. Der Schwan ist nicht mehr da.

Mir ist aufgefallen, dass ich kaum verwelkte Blumen gesehen habe.


Hier die passende Bildergalerie.

Ein schwebendes Dorf

Wir tauchen ein in das alte Leben am Wasser. Das Tor öffnet sich – und da sind sie: die Pfahlhäuser. Ein schwebendes Dorf. So ähnlich könnte es gewesen sein: weniger touristisch, weniger aufgehübscht, unperfekter – und mit dem Wissen, das sich gerade schafft. Einer ritzt ein Bild in die Wand. Er erzählt von sich. Ein früher Literat?

Sechstausend Jahre später gehe ich hinaus. Blicke auf die Schatten. Sie sprechen mit mir. Wortlos.


Die Pfahlhäuser in Unteruhldingen am Bodensee haben mich im Sommer 2025 echt beeindruckt. Zwischen Wasser, alten Pfählen und liebevoll gestalteten Gebäuden taucht man in die Geschichte der Region ein. Gleichzeitig zeigt sich die besondere Atmosphäre des Bodensees, wo Natur, Handwerk und Geschichte auf faszinierende Weise zusammentreffen. Hier gibt es eine Bildergalerie.

Das Burgräulein von Hohenfels — Sage und Spuk

Wer die Ruine Hohenfels über Sipplingen besucht, begegnet nicht nur Mauern und Ausblicken, sondern auch Geschichten. Neben dem Minnesänger Burkart, der hier im 13. Jahrhundert gelebt haben, hat sich eine Sage erhalten, die von einem wohltätigen Burgfräulein erzählt. Karl Lachmann, einer der Begründer der deutschen Philologie, hat sie im 19. Jahrhundert aufgezeichnet. Sie klingt bis heute nach – dunkel, tragisch und geheimnisvoll.

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Burg Hohenfels — zwischen Wald und Geschichte

Es geht bergauf. Weiter und weiter. Ich bin allein. Der kühlende See liegt im Hintergrund, der Wald wird dichter. Ich sehe das Wasser nur, wenn ich mich wirklich anstrenge. Und überhaupt: ich strenge mich an. So steil ist der schmale Weg.

Es ist heiß heute.

Und dann – zwischen Wald und Felsen – die Reste der Burg. Ein schmaler Pfad führt mich hin. Nur noch ein paar Meter. Hinter der letzten Wende steht links eine rote Bank. Ich habe jetzt keine Zeit; ich will sehen, was von der Geschichte geblieben ist.

Oder von den Geschichten.

Ich berühre die Mauer und schließe die Augen. Ich will mir Zeit lassen.