Die Sache mit der ganz persönlichen Preisgrenze

Als junger Mensch habe ich mich oft gewundert, warum ältere Menschen ihre Geschichten so gern wiederholen. Heute nicke ich freundlich mit dem Kopf – wohl wissend, dass mein parlierendes Gegenüber die soeben geschilderte Begebenheit beim nächsten Treffen noch einmal erzählen wird.

Neulich fiel mir während der Arbeit ein passendes Beispiel ein – es betrifft mich selbst: Ich erklärte kurzerhand, dass ich bei Benzinpreiserhöhungen gar nicht mitmache, weil ich ohnehin immer nur für 50 Euro tanke. Meine deutlich jüngeren Kollegen schenkten mir ein gnädiges Lächeln – offenbar hatten sie die Geschichte schon einmal gehört. Wahrscheinlich sogar von mir.

Dabei sehe ich mich noch genau an der Tanke in Hollwiesen: 1983, Mofa, immer fünf Mark für Gemisch – 1:50 ging, 1:25 auch, die Zündapp lief und lief.

Heute weiß ich: Die Geschichte ist nicht wirklich lustig. Aber wahrscheinlich werde ich sie irgendwann wieder erzählen – schließlich ärgern wir uns alle noch länger über Spritpreise. Und ich kenne nur wenige Argumente, die irgendwann mal für die Richtung nach oben sprechen: vielleicht die Anschaffung eines E-Autos.

Außerdem bleibt die Erkenntnis: Ich werde auch nicht jünger.

Christoph von Kannenberg und die Inszenierung der Macht

Manchmal beginnt eine Geschichte ziemlich unspektakulär. In diesem Fall mit einer Liste von Jahrestagen. Solche Listen gehören zum journalistischen Alltag. Man schaut hinein, prüft Daten, streicht manches wieder durch. Vieles ist Routine. Doch hin und wieder bleibt ein Name hängen. In meinem Fall war es Christoph von Kannenberg – vor 370 Jahren wurde er Gouverneur der Festungsstadt Minden.

Nüchtern betrachtet ist das kein Jubiläum, das automatisch Aufmerksamkeit erzeugt. Aber irgendetwas an dieser Figur ließ mich nicht gleich weiterblättern. Also begann ich ein wenig zu recherchieren – zunächst aus Neugier, dann mit wachsendem Interesse. Kannenberg war ein Mann des 17. Jahrhunderts im besten – oder vielleicht typischsten – Sinne. Schon als Jugendlicher begann er eine militärische Laufbahn in schwedischen Diensten. Später machte er Karriere im brandenburgischen Heer und wurde schließlich Gouverneur in Minden. Militär, Politik, Besitz – all das gehörte für Angehörige seines Standes eng zusammen.

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