Bergbau zwischen Gestrüpp und Geschichte

Hätte ich doch bloß keine Turnschuhe getragen. Gummistiefel wären besser gewesen. Der Weg zum „Objekt der Begierde“ führte über einen Feldrand – und vor ein paar Minuten hatte es noch geregnet. Egal. Ich wollte unbedingt zu den zugewucherten Gebäuden, die mitten in der Landschaft stehen. Relikte einer Bergbaugeschichte, die die Region über Jahrzehnte geprägt hat.

Ein Industrieort, der sich selbst überlassen wurde.

Schon länger hatte ich mir vorgenommen, genau diese Geschichte für einen Zeitungsartikel aufzuarbeiten. Die Reste der Erzgruben in Dützen – heute Potts Park – und, ein wenig über den Tellerrand hinaus, das Besucherbergwerk in Kleinenbremen sind bekannt. Doch mich interessierte auch die Kohleförderung. Und damit vor allem Minden-Meißen.

Tatsächlich gibt es dort einige bemerkenswerte Spuren – darunter auch diesen Ort, den ich eher zufällig entdeckt habe. Auf der Rückfahrt von einem Termin mit dem Ortsheimatpfleger fiel mir die Anlage ins Auge. Obwohl ich die Strecke gut kenne, waren mir die Gebäude, etwas abseits hinter einer Trafostation gelegen, nie aufgefallen.

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Ein kleiner Markt voller feiner Momente

Ein kleiner, aber feiner Mittelaltermarkt war das in Minden. Keine große Reenactor-Messe diesmal – die ich immer mochte, die aber lokal wohl schwer zu stemmen ist –, sondern eine dreitägige Veranstaltung im Sommerbad.

Zum zweiten Mal ausgerichtet, und durchaus gelungen: eine dichte, freundliche Atmosphäre, dazu Leckeres, Gaukelei und Musik. Besonders schön: „Unvermeydbar“ aus Hofgeismar, die vor dem Osterfeuer spielten. Für einen Moment hatte das etwas von einem Feuer unterm Galgen – und mir kam doch glatt ein flüchtiger Gedanke an Der Name der Rose.

Lohnenswert war das alles ohnehin, auch wegen des weiterhin moderaten Eintritts von fünf Euro. Die siebenjährige Tochter kam kostenlos rein.

Auffällig ist, wie sehr sich das Publikum verändert: Mittelaltermärkte ziehen längst nicht mehr nur „klassische“ Gewandete an. Zunehmend mischt sich die Fantasy-Szene darunter – die Orks waren dabei klare Hingucker. Warum auch nicht?


Hier noch ein paar Bilder

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Die Sache mit der ganz persönlichen Preisgrenze

Als junger Mensch habe ich mich oft gewundert, warum ältere Menschen ihre Geschichten so gern wiederholen. Heute nicke ich freundlich mit dem Kopf – wohl wissend, dass mein parlierendes Gegenüber die soeben geschilderte Begebenheit beim nächsten Treffen noch einmal erzählen wird.

Neulich fiel mir während der Arbeit ein passendes Beispiel ein – es betrifft mich selbst: Ich erklärte kurzerhand, dass ich bei Benzinpreiserhöhungen gar nicht mitmache, weil ich ohnehin immer nur für 50 Euro tanke. Meine deutlich jüngeren Kollegen schenkten mir ein gnädiges Lächeln – offenbar hatten sie die Geschichte schon einmal gehört. Wahrscheinlich sogar von mir.

Dabei sehe ich mich noch genau an der Tanke in Hollwiesen: 1983, Mofa, immer fünf Mark für Gemisch – 1:50 ging, 1:25 auch, die Zündapp lief und lief.

Heute weiß ich: Die Geschichte ist nicht wirklich lustig. Aber wahrscheinlich werde ich sie irgendwann wieder erzählen – schließlich ärgern wir uns alle noch länger über Spritpreise. Und ich kenne nur wenige Argumente, die irgendwann mal für die Richtung nach oben sprechen: vielleicht die Anschaffung eines E-Autos.

Außerdem bleibt die Erkenntnis: Ich werde auch nicht jünger.

Christoph von Kannenberg und die Inszenierung der Macht

Manchmal beginnt eine Geschichte ziemlich unspektakulär. In diesem Fall mit einer Liste von Jahrestagen. Solche Listen gehören zum journalistischen Alltag. Man schaut hinein, prüft Daten, streicht manches wieder durch. Vieles ist Routine. Doch hin und wieder bleibt ein Name hängen. In meinem Fall war es Christoph von Kannenberg – vor 370 Jahren wurde er Gouverneur der Festungsstadt Minden.

Nüchtern betrachtet ist das kein Jubiläum, das automatisch Aufmerksamkeit erzeugt. Aber irgendetwas an dieser Figur ließ mich nicht gleich weiterblättern. Also begann ich ein wenig zu recherchieren – zunächst aus Neugier, dann mit wachsendem Interesse. Kannenberg war ein Mann des 17. Jahrhunderts im besten – oder vielleicht typischsten – Sinne. Schon als Jugendlicher begann er eine militärische Laufbahn in schwedischen Diensten. Später machte er Karriere im brandenburgischen Heer und wurde schließlich Gouverneur in Minden. Militär, Politik, Besitz – all das gehörte für Angehörige seines Standes eng zusammen.

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Die leise Präsenz der Caroline von Humboldt

Und so könnte ich sie an fast jedem Morgen sehen. Denn an fast jedem Morgen komme ich mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit an ihrem Porträt vorbei – oder genauer: an der Kupferstich-Darstellung, die an der Klinkerwand des Herder-Gymnasiums angebracht ist. Gleich neben der des Namensgebers, der – so mögen es besonders schlaue Menschen bewerten – möglicherweise wichtiger gewesen sei. Die Rede ist von Caroline von Humboldt, einer ausgesprochen modernen Frau, die heute vor 260 Jahren in Minden geboren wurde.

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Ein Theater unter der Erde

Die Zeit hatte das kleine Amphitheater zugeschüttet. Erst Luftaufnahmen legten nahe, dass es im Mindener Königsglacis einst Kulturveranstaltungen gegeben hat. Auch ein Gemälde von Hans Korth aus der Zeit um 1946 deutet darauf hin.

Nun will die Stadt diese ehemalige Spielstätte wiederbeleben – was ich grandios finde. Noch ist während der Sanierungsarbeiten wenig zu sehen. Und doch: Mit ein bisschen Fantasie ist das Theater zwischen gefallenen Baumriesen bereits wieder erkennbar. Ein Ort, der sich langsam wieder erinnert.

Zum Glück hatte ich beim Spaziergang die Kamera dabei.

Die Zeit hatte Spuren hinterlassen – aus der Luft wird das Amphitheater sichtbar.
Vor über 70 Jahren hat Hans Korth das Amphitheater gemalt.
Künftig wieder ein Ort für Kultur? Find ich gut.

Wo einmal Schule war

Ich mag dieses Bild. Drei Bäume sind dicht beieinander in die Höhe gewachsen und versperren den Eingang eines alten Schulhauses.

Es gab Zeiten, da liefen hier morgens Kinder in Scharen in das Gebäude. Irgendwann wurde die Dorfschule nicht mehr gebraucht und durch einen Neubau ein paar hundert Meter weiter ersetzt.

Die alte Schule blieb. Sie war Kaufmannsladen, Bäckerei, zuletzt Wohnhaus. Ein alter Mann lebte hier – allein, krank. Er ist in diesem Haus gestorben.

Ich finde: Was vom Haus noch zu sehen ist, zeigt sich der Kamera besonders deutlich im Herbst.


Ich habe Bilder des Hauses auch in meiner kleinen Herbst-Bildergalerie genutzt. Hier klicken…

Ein vergessenes Bild, ein Historiker – und die Freude des Wiedersehens

Es gibt Fotos, die wirken wie stille Botschaften aus einer anderen Zeit. Alte Porträts tragen eine eigene Spannung in sich: Sie halten Menschen fest, die längst gegangen sind – und trotzdem schauen sie uns an, als hätten sie noch etwas zu erzählen. Ein unscharfer Hintergrund, ein freundlicher Ausdruck, ein zufälliger Lichteinfall: Oft reicht genau das, um einen Menschen wieder spürbar zu machen. Ich wollte wissen, ob ChatGPT helfen kann, das Bilderlebnis zu steigern — oder überhaupt erst möglich zu machen.

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Zwischen Mauern und Worten — Konrad Hojer im Kloster Möllenbeck

Eigentlich habe ich seit Jahren die Angewohnheit, bei von mir besuchten Orten nach literarischen Bezügen Ausschau zu halten. Haben dichtende Menschen hier ihre Spuren hinterlassen? Beim Kloster Möllenbeck in Rinteln, das ich schon seit frühen Schulzeiten wegen des dortigen Jugendgästehauses kenne, bin ich allerdings erst jetzt darauf gekommen. Dass es hier einen Subprior namens Konrad Hojer gab, der sich anno 1611 (so lange ist das her!) sogar mit einer Dichterkrone schmücken durfte, ist vollends an mir vorbeigegangen. Na ja – und bei der eigenen Hochzeit, die ich vor jetzt neun Jahren in der angrenzenden Kloster-Gastronomie gefeiert habe, hatte ich noch anderes im Sinn.

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Blüten über dem Schwedenkreuz

Zuerst kommt das Schwedenkreuz in den Blick. Es erinnert an unruhige Zeiten, an Tod und Krieg. Solche Zeiten hat es später auch noch gegeben, doch die Leichen hat man weggebracht.

Heute ist alles überwachsen, schön und duftend, auch die Erinnerung. Und es ist ein Paradies entstanden. Irgendwie. Eine Blumeninsel.

Unbedarft durchstreifen wir das Land im Kleinen, genießen die Farben, die Schönheit. Wir gehen unter Bäumen, die längst mehr gesehen haben als wir. Palmen, Rosen, Dahlien – ein Fest, das nicht enden will. Das nicht enden soll.

Und doch ist der Tag irgendwann vorüber. Wir verlassen die Insel. Und da ist es wieder: das Schwedenkreuz. Das Wasser ist unruhiger geworden. Der Schwan ist nicht mehr da.

Mir ist aufgefallen, dass ich kaum verwelkte Blumen gesehen habe.


Hier die passende Bildergalerie.