Das Spiel mit Schein und Sein

Dass Namen gern in Schall und Rauch aufgehen, ist hinlänglich bekannt. Der Name Goethe ist allerdings von ganz anderer Qualität. Sein Name steht felsenfest in der Erinnerungskultur, wie auch immer diese Kultur aussehen mag. Charles Lewinsky nennt seinen Roman Rauch und Schall und beschreibt Goethe höchst menschlich, wobei bereits der erste Satz den Ton setzt: Goethe hatte Hämorrhoiden.

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Goethe vom Sockel geholt

Ich bin Goethe nur selten so nahe gekommen wie in diesem Stück Biographie-Literatur. Höchstens beim Besuch in Weimar: im Gartenhaus an der Ilm, im Wohnhaus am Frauenplan oder abends im Theater, als eine Goethe-Fantasie gegeben wurde, in der es um die Wirkung des Geheimrats auf Frauen ging. Nein, gelesen von Frank Arnold, teilweise auch von Autor Rüdiger Safranski selbst, hat mir das Hörbuch Goethe – Kunstwerk des Lebens sehr gut gefallen, danach dann auch die vollständige Printausgabe.

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Nähe, Schmerz und Papier

Manche Bücher sind Lebensbücher: immer wieder hervorgeholt, immer wieder gelesen. Für mich gehört Goethes Die Leiden des jungen Werther unbedingt dazu. Vielleicht ist es die Form des Briefromans, die den Lesenden eine beinahe beängstigende Nähe zur unglücklichen Hauptfigur aufzwingt. Diese Nähe funktioniert damals wie heute – auch wenn der literarische Brief im Erscheinungsjahr 1774 bereits ein etabliertes Mittel war.

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Nach dem Zitat

Den Götz von Berlichingen habe auch ich durch das bis zur Unsäglichkeit verwendete Zitat kennengelernt, mich danach immerhin für die Fernsehperle mit Raimund Harmstorf interessiert und viele Jahre später endlich für die reine Lektüre des Reclam-Hefts, das ehrlicherweise der höchste Genuss war. Da hat einer offenbar wirklich für die Vorlesung getextet, die Sprache ist so altertümlich gehalten, dass Kostüme fast gar nicht gebraucht werden.

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