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Popcorn-Mittelalter mit Wucht

Wenn ich an das literarische Mittelalter denke, schießt mir unweigerlich Umberto Ecos Der Name der Rose in den Kopf. Dort begegnet uns das Böse in Gestalt des blinden Gelehrten Jorge von Burgos: ein Fanatiker, dessen Verbrechen aus theologischen und philosophischen Überzeugungen erwachsen. Bei Eco wird gemordet, diskutiert und interpretiert. Die Bibliothek ist ein Labyrinth der Gedanken. Daniel Wolf verfolgt in Das Salz der Erde einen völlig anderen Ansatz. Hier wird nicht lange disputiert. Hier wird gehandelt, gekämpft und gelitten. Das Böse trägt keine philosophische Maske, sondern zeigt sich offen in Machtgier, Gewalt und Skrupellosigkeit. Und gerade darin liegt für mich die große Stärke dieses Romans.

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110 Millimeter Kindheit

Beim Durchblättern alter Fotoalben der Familie fiel es auf: Der kleine Oliver hatte auf fast jedem Bild eine Kamera dabei. Lässig in der Hand, sicher in einer kleinen Fototasche verstaut – samt Namenszug, man wollte das gute Stück ja nicht verlieren. Die Bilder, die ich damals mit der Porst Pocketpak EB geknipst habe, existieren auch ein halbes Jahrhundert später noch. Leicht verfärbt vom Zahn der Zeit, sicher keine Kunstwerke – aber Erinnerungen, die geblieben sind.

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Obsessionen, die kein Zuhause kennen

Wie weit darf Obsession gehen – und ab wann ist sie keine Leidenschaft mehr, sondern eine Flucht vor der Entscheidung? T. C. Boyle stellt diese Frage in No Way Home mit unangenehmer Konsequenz. Sein Roman erzählt vom Drang, das eigene Leben ausgerechnet mit einem Menschen verbringen zu wollen, der objektiv nicht passt. Oder mit zweien. Oder mit einer Fantasiefigur, die Sicherheit und Rausch, Ordnung und Exzess zugleich verspricht.

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Das Spiel mit Schein und Sein

Dass Namen gern in Schall und Rauch aufgehen, ist hinlänglich bekannt. Der Name Goethe ist allerdings von ganz anderer Qualität. Sein Name steht felsenfest in der Erinnerungskultur, wie auch immer diese Kultur aussehen mag. Charles Lewinsky nennt seinen Roman Rauch und Schall und beschreibt Goethe höchst menschlich, wobei bereits der erste Satz den Ton setzt: Goethe hatte Hämorrhoiden.

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Goethe vom Sockel geholt

Ich bin Goethe nur selten so nahe gekommen wie in diesem Stück Biographie-Literatur. Höchstens beim Besuch in Weimar: im Gartenhaus an der Ilm, im Wohnhaus am Frauenplan oder abends im Theater, als eine Goethe-Fantasie gegeben wurde, in der es um die Wirkung des Geheimrats auf Frauen ging. Nein, gelesen von Frank Arnold, teilweise auch von Autor Rüdiger Safranski selbst, hat mir das Hörbuch Goethe – Kunstwerk des Lebens sehr gut gefallen, danach dann auch die vollständige Printausgabe.

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