Wenn ich an das literarische Mittelalter denke, schießt mir unweigerlich Umberto Ecos Der Name der Rose in den Kopf. Dort begegnet uns das Böse in Gestalt des blinden Gelehrten Jorge von Burgos: ein Fanatiker, dessen Verbrechen aus theologischen und philosophischen Überzeugungen erwachsen. Bei Eco wird gemordet, diskutiert und interpretiert. Die Bibliothek ist ein Labyrinth der Gedanken. Daniel Wolf verfolgt in Das Salz der Erde einen völlig anderen Ansatz. Hier wird nicht lange disputiert. Hier wird gehandelt, gekämpft und gelitten. Das Böse trägt keine philosophische Maske, sondern zeigt sich offen in Machtgier, Gewalt und Skrupellosigkeit. Und gerade darin liegt für mich die große Stärke dieses Romans.
Popcorn-Mittelalter mit Wucht weiterlesenKategorie: Fotografie
110 Millimeter Kindheit
Beim Durchblättern alter Fotoalben der Familie fiel es auf: Der kleine Oliver hatte auf fast jedem Bild eine Kamera dabei. Lässig in der Hand, sicher in einer kleinen Fototasche verstaut – samt Namenszug, man wollte das gute Stück ja nicht verlieren. Die Bilder, die ich damals mit der Porst Pocketpak EB geknipst habe, existieren auch ein halbes Jahrhundert später noch. Leicht verfärbt vom Zahn der Zeit, sicher keine Kunstwerke – aber Erinnerungen, die geblieben sind.
110 Millimeter Kindheit weiterlesenDer Wert des Wartens
Smartphone in Position gebracht, fotografiert, kurz kontrolliert – und vergessen. Dauerhaft bleibt da oft nichts. Tiefe auch nicht. Natürlich könnte ich genauso fotografieren wie alle anderen. Sogar weniger hektisch mit hingewischten Einstellungen. Kontrolliert ja keiner. Und trotzdem zieht es mich immer wieder zurück zu meiner alten Kamera und zum Film.
Der Wert des Wartens weiterlesenEin Gegenentwurf zur Bilderflut
Wer hier ab und zu mitliest, weiß vielleicht, dass ich eine Schwäche für antiquarische Bücher habe. In diesem Beitrag geht es um einen Bildband, der heute meist nur noch in Antiquariaten erhältlich ist: Das Buch der Jahreszeiten, herausgegeben 1927 von Herbert Dubler. Ein Werk, das eindrucksvoll zeigt, wie sich unsere Wahrnehmung von Fotografie und Bildkunst im Lauf der Jahrzehnte verändert hat.
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