Wenn sie Loriot lesen, strecken sie die Arme gen Himmel. Um den Meister zu ehren. Für die Szenen einer Ehe, für die wunderbaren Filme, überhaupt für alles, was er geschaffen hat. Loriot ist ihr gemeinsamer Fixstern. Aber auch die beiden Akteure – namentlich Moritz Netenjakob und Christoph Maria Herbst – stehen auf der Skala des gepflegten Humors ganz weit oben. Das hat auch die wunderbare Lesung in Bad Salzuflen gezeigt, der ich – ein Geschenk meiner Frau – jetzt beiwohnen durfte.
Eigentlich war die Veranstaltung eine Lehrstunde, so auch betitelt: Das ernsthafte Bemühen um Albernheit. Schon im Titel steckt die Botschaft: Gute Albernheit ist harte Arbeit. Herbst kann das als Schauspieler wunderbar – nicht nur in Stromberg. Netenjakob ebenso, als Parodist wie auch als Autor, etwa mit seinem jüngsten Roman Der beste Papa der Welt, aus dem die beiden natürlich ebenfalls vorlasen. Schließlich, so verrät der Klappentext augenzwinkernd, sei das der Roman, den Christoph Maria Herbst schreiben würde, wenn er denn einen Roman schriebe.
Der Abend macht Lust auf das Buch, das im Kern von einem ewigen Spagat erzählt. Im Mittelpunkt steht ein Protagonist, der eigentlich ein Buch über die Schrulligkeiten eines alternden Schauspielers – besagten „Prinzen“ – schreiben soll. Eigentlich müsste daraus die gnadenlose Demontage eines „alten weißen Mannes“ werden. Denn die Szenen, die Netenjakob zeichnet, lassen tief blicken: Hinter der Fassade des eitlen, großen Akteurs kommt immer wieder das wahre Gesicht zum Vorschein – das eines letztlich ziemlich armen Würstchens.
Doch die eigene Realität grätscht dazwischen.
Tief verstrickt im Familienkosmos, gefangen in der klassischen Rolle des Ernährers, versucht der Held des Romans, alle Fäden zusammenzuhalten. Es gilt, dem chaotischen Alltag gerecht zu werden, der Tochter eine Stütze zu sein und nicht zuletzt den Erwartungen der türkischen Ehefrau zu entsprechen – eine Konstellation, die Netenjakob-Kennern wohlvertraut vorkommen dürfte und die auch diesmal wieder wunderbar präzise gezeichnet ist. Am Ende ist es genau dieser ganz normale, liebevolle Wahnsinn, um den sich das Buch eigentlich dreht.
Am Katheder – um das Bild der Lehrstunde noch einmal aufzugreifen – haben die Textauszüge auf der Bühne jedenfalls hervorragend funktioniert. So gut sogar, dass man sich unweigerlich fragt, wann denn der Film ins Kino kommt.

Kurios ist der Blick auf das bereits erschienene Hörbuch. Eingelesen wurde es nicht von Vielsprecher Christoph Maria Herbst – der beim Abend in der Salzsiederstadt ein altes Entschuldigungsschreiben aus der Schulzeit so darbot, dass man ihm Jahrzehnte später noch alles verzeiht –, sondern von Netenjakob selbst. Dass das kein Verlust ist, hat der Auftritt in Bad Salzuflen eindrucksvoll bewiesen. Der Autor beherrscht die Stimmen, die Zwischentöne und das Timing.
Am Ende bleibt ein Abend, der nicht nur eine Hommage an den großen Loriot war, sondern auch der beste Beweis dafür, dass kluge Albernheit eben doch eine ernsthafte Kunstform ist.
Der beste Papa der Welt von Moritz Netenjakob ist 2026 bei KiWi erschienen.