Ich bin Goethe nur selten so nahe gekommen wie in diesem Stück Biographie-Literatur. Höchstens beim Besuch in Weimar: im Gartenhaus an der Ilm, im Wohnhaus am Frauenplan oder abends im Theater, als eine Goethe-Fantasie gegeben wurde, in der es um die Wirkung des Geheimrats auf Frauen ging. Nein, gelesen von Frank Arnold, teilweise auch von Autor Rüdiger Safranski selbst, hat mir das Hörbuch Goethe – Kunstwerk des Lebens sehr gut gefallen, danach dann auch die vollständige Printausgabe.
Goethe vom Sockel geholt weiterlesenWeblog
Ein stiller Schatz voller Einsichten
Sie will nur noch das Nötigste reden. Das Schweigen, so sagt sie, bringe für gewöhnlich einen höheren Genuss. Über einhundert Jahre ist Elisabeth Heller alt, als sie ihrem Sohn André ein langes Interview gibt und somit doch nicht schweigt. Zum Glück. Das daraus entstandene Buch sollten junge und jüngere und Junggebliebene unbedingt lesen – alle anderen auch. Uhren gibt es nicht mehr von André Heller ist voller Weisheit und Geschichte.
Ein stiller Schatz voller Einsichten weiterlesenOh Gott, Agatha
„Ich habe Journalisten nie gemocht, ich habe sie alle in meinen Büchern sterben lassen.“
Agatha Christie (1890–1976)
Hartes Urteil, Agatha. Und denkbar schlechte Voraussetzungen für eine gute Beziehung. Dumm nur: Ich mag deine Bücher. Sehr sogar. Und noch dümmer: Ich bin selbst einer von denen. Seit über 30 Jahren im Geschäft. Einer aus der Meute, die du so zuverlässig ins Jenseits befördert hast – und ich mache das bis heute gern.
Darum geht es hier auch: um das Reporter-Sein. Um Geschichten, die entstehen, während man unterwegs ist. Um Artikel, Ideen und Bilder, die nicht in der Schublade verschwinden.
Aber nur Journalismus wäre mir zu wenig. Es gibt auch Literatur. Und ziemlich viele Fotos. Und dann ist da noch die Musik. Gitarre, Stimme, der Versuch, aus ein paar Akkorden mehr zu machen als Lärm. Wer weiß – vielleicht hättest du daran sogar Gefallen gefunden.
Wollte ich nur mal so einwerfen.
Die Wahrheit tanzt auf dem Seil
Kriege haben ihre Helden, ihre Täter, ihre Opfer – und ihre Narren. Letztere überleben sie meist am längsten. Sie dürfen sagen, was andere nicht aussprechen können, und sie bewegen sich zwischen den Fronten, weil sie zu keiner gehören. Tyll ist ein solcher Narr. Es hat ihn schon gegeben, lange bevor er bei Daniel Kehlmann auftrat – und erst recht im Dreißigjährigen Krieg. Kehlmann hat darüber einen Roman geschrieben, der nicht erklärt, nicht ordnet, nicht tröstet, sondern sich mit der schonungslosen Wahrheit auseinandersetzt.
Die Wahrheit tanzt auf dem Seil weiterlesenEin Lump bleibt ein Lump
Gerade habe ich wieder ein wunderbares Beispiel dafür entdeckt, wie gut Johann Nestroy (1801-1862) in unsere Zeit passt: Das Landestheater Linz hatte Der böse Geist Lumpazivagabundus auf die Bühne gebracht, irgendwer hatte die Aufführung irgendwo ins Netz gestellt – und ich habe Tränen gelacht. Trashig-kitschige Geistdarstellungen, ein Hauch moderner Polizei, schräger Gesang, sichtbare Spielfreude. Kurzum: Anlass genug, sich diese Zauberposse mit Gesang in drei Akten noch einmal ganz altmodisch als Reclam-Ausgabe zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich. Sehr.
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