Erst Amore, dann Absturz

An mein erstes live erlebtes Konzert von Marco Wanda erinnere ich mich genau. Im Capitol in Hannover war das. Die Eintrittskarten stecken noch heute in der CD-Hülle von Amore. Dienstag, 1. Dezember 2015. Wir waren früh da, bekamen den Soundcheck mit, die Vorband – und dann sogar eine eigene Version von „Bologna“. Schließlich der Auftritt von Wanda, damals noch mit Christian Hummer am Schlagzeug, der 2022 starb.

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Der rabiate Gouverneur von Minden

Manchmal beginnt eine Geschichte ziemlich unspektakulär. In diesem Fall mit einer Liste von Jahrestagen. Solche Listen gehören zum journalistischen Alltag. Man schaut hinein, prüft Daten, streicht manches wieder durch. Vieles ist Routine. Doch hin und wieder bleibt ein Name hängen. In meinem Fall war es Christoph von Kannenberg. Vor 370 Jahren wurde er Gouverneur der Festungsstadt Minden.

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Immer nur für 50 Euro

Als junger Mensch habe ich mich oft gewundert, warum ältere Menschen ihre Geschichten so gern wiederholen. Heute nicke ich manchmal freundlich mit dem Kopf – wohl wissend, dass auch diese Geschichte beim nächsten Treffen noch einmal erzählt wird.

Neulich, während der Arbeit am Mindener Tageblatt, fiel mir ein passendes Beispiel wieder ein. Ich erklärte kurzerhand, dass ich bei Benzinpreiserhöhungen gar nicht mitmache, weil ich ohnehin immer nur für 50 Euro tanke. Meine deutlich jüngeren Kollegen schenkten mir ein gnädiges Lächeln – offenbar hatten sie die Geschichte schon einmal gehört.

Dabei sehe ich mich noch genau an der Tanke in Hollwiesen: 1983, Mofa, fünf Mark für Gemisch – 1:50 ging, 1:25 auch, die Zündapp lief immer. Direkt neben mir steht heute eine alte Zapfsäule mit der Null-Anzeige, wie ein stiller Zeuge vergangener Zeiten. Ein kleines Detail, das die Geschichte fast greifbar macht.

Heute weiß ich: Die Geschichte ist nicht wirklich lustig. Aber wahrscheinlich werde ich sie irgendwann wieder erzählen – schließlich ärgern wir uns alle noch länger über Spritpreise. Und ich kenne nur wenige Argumente, die irgendwann mal für die Richtung nach oben sprechen: die Anschaffung eines E-Autos.

Außerdem bleibt die Erkenntnis, ich werde auch nicht jünger.

Erich Kästner und der Lügenbaron

Nach einem Besuch in Bodenwerder war klar: Ich muss mich noch einmal um den Lügenbaron kümmern. Im örtlichen Münchhausen-Museum erwarb ich eine wunderbare Ausgabe von Erich Kästner (1899–1974), der Münchhausen für kleine und große Leute neu erzählt hat. Die Geschichten wirken noch immer frisch und witzig – ich habe sie an einem Abend gelesen.

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Rosa, Karl und die verlorene Schlacht

Von Leseprojekten spreche ich meist im Zusammenhang mit einem einzigen Buch. Thomas Manns Zauberberg war für mich so eines: Ich habe ein paar Kapitel gelesen, das Buch beiseitegelegt, mich anderen Texten gewidmet – nicht, weil mich Hans Castorps Geschichte langweilte, sondern weil ich manchmal Abstand brauchte. Ähnlich ging es mir mit Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin, das mich über Jahre beschäftigte. Ich war fest davon überzeugt, dass auch November 1918 ein solches Kaliber sein würde. Doch ich habe mich getäuscht.

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