Zweifelsohne ein gutes, ein sehr gutes Buch. Paulo Coelhos Beschreibung des Lebens der Mata Hari in Die Spionin zerstört den Mythos hundert Jahre später nicht – sie erhellt vielmehr die mögliche Innenwelt dieser beeindruckenden Persönlichkeit.
Die Wahrheit einer Lügnerin weiterlesenKategorie: Geschichte
Vom Hörnerhannes bis zur Einsamkeit
Die Sprache ist einfach, aber nie billig oder klischeehaft. Sie macht das Zugeschneite noch einmal auf eine Weise sichtbar, die den Lesenden neue Erkenntnisse bringt – oder längst Verschüttetes wieder an die Oberfläche holt. Unser Leben ist eine Reise mit viel zu viel Gepäck. Vieles braucht es gar nicht, wie Robert Seethaler in Ein ganzes Leben beschreibt. Manche Last aber bleibt, und man muss Wege finden, mit ihr umzugehen. Ich habe die Geschichte um Andreas Egger mit großem Vergnügen gelesen – und das Buch beschäftigt mich auch Monate später noch.
Vom Hörnerhannes bis zur Einsamkeit weiterlesenEin Blick hinter die Mythen
Die Germanen interessieren mich quasi seit Urzeiten. Als ganz junger Mensch habe ich selbstverständlich den fast schon legendären Was ist was-Band von Hans Reichhardt verschlungen. Irgendwie war mir das mit vielen Zeichnungen bebilderte Buch später abhandengekommen, mir fiel es vor kurzem wieder in die Hände. Nach der ersten Wiederlektüre war schnell klar: immer noch nett zu lesen, aber „aus der Zeit gefallen“.

Konrad Hoier und das stille Maß der Tage
Wer heute durch das Kloster Möllenbeck bei Rinteln geht, begegnet vor allem der Stille. Schritte hallen auf Stein, Türen knarren leise, der Blick verliert sich im weiten Innenhof. Dass diese Ruhe einst das Produkt eines streng getakteten Alltags war, lässt sich heute nur noch erahnen. Überliefert ist diese Ordnung vor allem in Texten – verfasst von einem Mann, der Struktur nicht nur lebte, sondern sie in einer Epoche des Chaos neu begründen musste. Konrad Hoier stammte aus Lüdenhausen im heutigen Kalletal. Als Subprior des Stifts Möllenbeck gehörte er zwar nicht zur absoluten Spitze des Konvents, trug jedoch die maßgebliche Verantwortung für die Disziplin, die Verwaltung und den geistlichen Alltag. Sein Wirken fiel in eine Phase existenzieller Verunsicherung: Die Reformation hatte das religiöse Leben fundamental erschüttert, und der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) legte Europa in Trümmer.
Konrad Hoier und das stille Maß der Tage weiterlesenDampfschiffe, Dschungel, Despoten
Bücher zur Kolonialgeschichte faszinieren mich, da dieses Kapitel unserer Vergangenheit noch längst nicht ausreichend aufgearbeitet ist. Ein wunderbar kurzweiliger und historisch fundierter Zugang ist der Roman Eine Frage der Zeit von Alex Capus, der die kolonialen Machtspiele in Deutsch-Ostafrika beleuchtet. Besonders die teils überzeichneten Charaktere spiegeln die historische Absurdität des Geschehens perfekt wider.
Dampfschiffe, Dschungel, Despoten weiterlesen