Manche Romane führen ein ungelesenes Dasein im Bücherregal – manchmal über viele Jahre. Zuweilen ist die Zeit einfach noch nicht reif. Jetzt war sie es für Die Straße der Ölsardinen, immerhin das Werk eines Nobelpreisträgers. Ich habe John Steinbecks Text als historischen Roman gelesen, der er streng genommen nicht ist.
Zeitlos im Bücherregal weiterlesenKategorie: Geschichte
Die Spaltung der Welt?
Ist Anselmus wirklich glücklich auf seinem Rittergut in Atlantis? Ist er erlöst in jenem Zauberreich, in dem er nun mit der Schlange Serpentina lebt? Im klassischen Volksmärchen stünde die Antwort außer Frage: Das Paar lebte glücklich bis ans Ende seiner Tage. Das romantische Kunstmärchen jedoch – als Märchen aus der neuen Zeit – bricht mit dieser Eindeutigkeit. Es verweigert die einfache Harmonie und lässt mindestens zwei, wenn nicht noch mehr Deutungsszenarien zu.
Die Spaltung der Welt? weiterlesenDas Ende der Idylle
Henning Mankell packt sofort. Immer in den ersten Szenen, immer ein Geschenk für Filmemacher. So auch in Die falsche Fährte. Es ist ein schwüler Sommertag, die Ernte steht kurz bevor, und mitten in einem Rapsfeld harrt ein junges Mädchen aus. Sie wartet nicht, sie flieht nicht – sie übergießt sich mit Benzin und verbrennt vor den Augen des entsetzten Kommissars. Diese Szene besitzt eine so schreckliche visuelle Kraft, dass sie sich tief in das cineastische Kollektivgedächtnis eingebrannt hat. Für Kurt Wallander ist dieses Trauma der Auftakt zu einem Sommer, der ihn an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit führen wird. Denn das Mädchen im Rapsfeld war nur der Anfang.
Das Ende der Idylle weiterlesenDer Mann, der die Zauberwelt entzauberte
Dass er ein Österreicher ist, hatte mein liebster Germanistikprofessor plakativ auf seiner Sprechzimmertür dokumentiert. Durch ihn wurde ich – vermutlich schon im ersten Semester – auf Johann Nepomuk Nestroy aufmerksam, den „wienerischen Shakespeare“. Dass ich mein Studium Jahre später mit Nestroy abschließen sollte, ahnte ich damals noch nicht. Das Wiener Vorstadttheater, dessen prägende Gestalten neben Nestroy Ferdinand Raimund und der Theaterdirektor Carl Carl waren, hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Wer war dieser Mann, den der Wiener Kritiker Karl Kraus später als den größten deutschen Satiriker würdigen sollte?
Der Mann, der die Zauberwelt entzauberte weiterlesenIn der neurechten Blase
Satire darf nicht nur wehtun, sie muss es manchmal sogar. Zornfried von Jörg-Uwe Albig ist in der Tat schmerzhaft – und das auf die beste, weil entlarvendste Art. Wer der Ideologie der alten oder Neuen Rechten verfallen ist, wird diesen Roman wohl kaum freiwillig lesen (oder sich erfolgreich einreden: Das betrifft mich nicht). Für alle anderen ist das Buch ein aufschlussreicher, bitterböser Einblick in die neurechte Blase – und eine Warnung, die weit über die Medienwelt hinausreicht.
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