Ein Lump bleibt ein Lump

Gerade habe ich wieder ein wunderbares Beispiel dafür entdeckt, wie gut Johann Nestroy (1801-1862) in unsere Zeit passt: Das Landestheater Linz hatte Der böse Geist Lumpazivagabundus auf die Bühne gebracht, irgendwer hatte die Aufführung irgendwo ins Netz gestellt – und ich habe Tränen gelacht. Trashig-kitschige Geistdarstellungen, ein Hauch moderner Polizei, schräger Gesang, sichtbare Spielfreude. Kurzum: Anlass genug, sich diese Zauberposse mit Gesang in drei Akten noch einmal ganz altmodisch als Reclam-Ausgabe zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich. Sehr.

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Melodie von Liebe und Sehnsucht

Sein zweites Wort nach „Mama“ war „Mahler“. Und sie wollte wissen, warum Dostojewski die langweiligen Bücher so lang geschrieben hatte und Der Spieler so kurz. Er ist Hannes, sie Polina. Er verliebt sich, sie vielleicht auch. Auf jeden Fall will er – das Kind – nur noch mit ihr zusammen sein. Doch Hannes Prager versteht nicht, als ihm seine Mutter erklärt, Polina werde nun eine Weile weg sein. Ist es wirklich, weil sie ihrer Mutter Güneş in Istanbul zur Hand gehen muss? Hannes wartet nicht lange, sondern versucht nur noch, sich an den Klang ihrer Stimme zu erinnern.

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Erst Amore, dann Absturz

An mein erstes live erlebtes Konzert von Marco Wanda erinnere ich mich genau. Im Capitol in Hannover war das. Die Eintrittskarten stecken noch heute in der CD-Hülle von Amore. Dienstag, 1. Dezember 2015. Wir waren früh da, bekamen den Soundcheck mit, die Vorband – und dann sogar eine eigene Version von „Bologna“. Schließlich der Auftritt von Wanda, damals noch mit Christian Hummer am Schlagzeug, der 2022 starb.

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Erich Kästner und der Lügenbaron

Nach einem Besuch in Bodenwerder war klar: Ich muss mich noch einmal um den Lügenbaron kümmern. Im örtlichen Münchhausen-Museum erwarb ich eine wunderbare Ausgabe von Erich Kästner (1899–1974), der Münchhausen für kleine und große Leute neu erzählt hat. Die Geschichten wirken noch immer frisch und witzig – ich habe sie an einem Abend gelesen.

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Rosa, Karl und die verlorene Schlacht

Von Leseprojekten spreche ich meist im Zusammenhang mit einem einzigen Buch. Thomas Manns Zauberberg war für mich so eines: Ich habe ein paar Kapitel gelesen, das Buch beiseitegelegt, mich anderen Texten gewidmet – nicht, weil mich Hans Castorps Geschichte langweilte, sondern weil ich manchmal Abstand brauchte. Ähnlich ging es mir mit Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin, das mich über Jahre beschäftigte. Ich war fest davon überzeugt, dass auch November 1918 ein solches Kaliber sein würde. Doch ich habe mich getäuscht.

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