Zweifelsohne ein gutes, ein sehr gutes Buch. Paulo Coelhos Beschreibung des Lebens der Mata Hari in Die Spionin zerstört den Mythos hundert Jahre später nicht – sie erhellt vielmehr die mögliche Innenwelt dieser beeindruckenden Persönlichkeit.
Die Wahrheit einer Lügnerin weiterlesenKategorie: Literatur
Vom Hörnerhannes bis zur Einsamkeit
Die Sprache ist einfach, aber nie billig oder klischeehaft. Sie macht das Zugeschneite noch einmal auf eine Weise sichtbar, die den Lesenden neue Erkenntnisse bringt – oder längst Verschüttetes wieder an die Oberfläche holt. Unser Leben ist eine Reise mit viel zu viel Gepäck. Vieles braucht es gar nicht, wie Robert Seethaler in Ein ganzes Leben beschreibt. Manche Last aber bleibt, und man muss Wege finden, mit ihr umzugehen. Ich habe die Geschichte um Andreas Egger mit großem Vergnügen gelesen – und das Buch beschäftigt mich auch Monate später noch.
Vom Hörnerhannes bis zur Einsamkeit weiterlesenArkadien auf Zeit
Der Roman von Hanns-Josef Ortheil war ein Zufallsfund in einer Rintelner Buchhandlung. Dabei hatte ich nicht einmal den Klappentext von Rom, Villa Massimo gelesen, sondern – angespornt vom Titelfoto – gleich die erste der drei Vorgeschichten aufgeschlagen. Mit Peter Ka fühlte ich mich verbunden, obgleich fünfzehn Jahre jünger, trotz eines äußerlich völlig anderen Lebens.
Arkadien auf Zeit weiterlesenZurück am Deich
Manche Bücher lassen einen kalt – bis sie eines Tages zurückkehren. Der Schimmelreiter war für mich so ein Fall. Einst Schulstoff, später Aha-Erlebnis: Storms Erzählung über den Deichgrafen Hauke Haien entfaltet erst mit Abstand ihre Tiefe. Zwischen Fortschrittsdrang und Aberglauben, Liebe und Einsamkeit zeigt sie, wie schmal der Grat ist zwischen dem, was der Mensch will, und dem, was die Welt zulässt.
Zurück am Deich weiterlesenKonrad Hoier und das stille Maß der Tage
Wer heute durch das Kloster Möllenbeck bei Rinteln geht, begegnet vor allem der Stille. Schritte hallen auf Stein, Türen knarren leise, der Blick verliert sich im weiten Innenhof. Dass diese Ruhe einst das Produkt eines streng getakteten Alltags war, lässt sich heute nur noch erahnen. Überliefert ist diese Ordnung vor allem in Texten – verfasst von einem Mann, der Struktur nicht nur lebte, sondern sie in einer Epoche des Chaos neu begründen musste. Konrad Hoier stammte aus Lüdenhausen im heutigen Kalletal. Als Subprior des Stifts Möllenbeck gehörte er zwar nicht zur absoluten Spitze des Konvents, trug jedoch die maßgebliche Verantwortung für die Disziplin, die Verwaltung und den geistlichen Alltag. Sein Wirken fiel in eine Phase existenzieller Verunsicherung: Die Reformation hatte das religiöse Leben fundamental erschüttert, und der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) legte Europa in Trümmer.
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