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Ein echter Gradmesser

Ich habe Henning Mankells Die fünfte Frau auch deshalb so gerne gelesen, weil dieser Roman für mich ein echter Gradmesser ist. Beim Lesen merke ich schnell, ob ein Buch mich wirklich erreicht oder nicht. Ich glaube, genau das hat die Romane um den schwedischen Kommissar Kurt Wallander für mich von Anfang an so packend gemacht. Wallander ist in all seinen Schwächen nahbar, auch in seinen schmerzhaften Verlusten. Mankell schreibt so, dass dieser Mann fast zu einem Teil von dir selbst wird – weil du seinen Kosmos verstehst, seine mentalen Strategien nachvollziehen kannst und auch seine Fluchten begreifst. Weil er im besten Sinne anders ist; ein Mensch, dem man die große Oper, das heroische Ermittlertum, gar nicht zutraut.

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Konrad Hoier und das stille Maß der Tage

Wer heute durch das Kloster Möllenbeck bei Rinteln geht, begegnet vor allem der Stille. Schritte hallen auf Stein, Türen knarren leise, der Blick verliert sich im weiten Innenhof. Dass diese Ruhe einst das Produkt eines streng getakteten Alltags war, lässt sich heute nur noch erahnen. Überliefert ist diese Ordnung vor allem in Texten – verfasst von einem Mann, der Struktur nicht nur lebte, sondern sie in einer Epoche des Chaos neu begründen musste. Konrad Hoier stammte aus Lüdenhausen im heutigen Kalletal. Als Subprior des Stifts Möllenbeck gehörte er zwar nicht zur absoluten Spitze des Konvents, trug jedoch die maßgebliche Verantwortung für die Disziplin, die Verwaltung und den geistlichen Alltag. Sein Wirken fiel in eine Phase existenzieller Verunsicherung: Die Reformation hatte das religiöse Leben fundamental erschüttert, und der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) legte Europa in Trümmer.

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Dampfschiffe, Dschungel, Despoten

Bücher zur Kolonialgeschichte faszinieren mich, da dieses Kapitel unserer Vergangenheit noch längst nicht ausreichend aufgearbeitet ist. Ein wunderbar kurzweiliger und historisch fundierter Zugang ist der Roman Eine Frage der Zeit von Alex Capus, der die kolonialen Machtspiele in Deutsch-Ostafrika beleuchtet. Besonders die teils überzeichneten Charaktere spiegeln die historische Absurdität des Geschehens perfekt wider.

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Das Grauen in hellster Zeit

Ich müsste schon meinen Kopf resetten, wenn ich diesen Wunsch erfüllt bekäme: Henning Mankells Mittsommermord gehört zu den Romanen, die ich gerne noch einmal „zum ersten Mal“ lesen würde. Dabei hilft mir nicht einmal dieZzeit, denn im Buch selbst hatte ich damals ein Datum notiert: Das erste Mal war im August 2002 und das Leserlebnis so intensiv, dass ich mich noch heute – 24 Jahre später – an nahezu alles erinnere. Ich lese das Buch wie einen alten Bekannten. Aber auch das ist ein Genuss. Immerhin.

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Zeitlos im Bücherregal

Manche Romane führen ein ungelesenes Dasein im Bücherregal – manchmal über viele Jahre. Zuweilen ist die Zeit einfach noch nicht reif. Jetzt war sie es für Die Straße der Ölsardinen, immerhin das Werk eines Nobelpreisträgers. Ich habe John Steinbecks Text als historischen Roman gelesen, der er streng genommen nicht ist.

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