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Nähe, Schmerz und Papier

Manche Bücher sind Lebensbücher: immer wieder hervorgeholt, immer wieder gelesen. Für mich gehört Goethes Die Leiden des jungen Werther unbedingt dazu. Vielleicht ist es die Form des Briefromans, die den Lesenden eine beinahe beängstigende Nähe zur unglücklichen Hauptfigur aufzwingt. Diese Nähe funktioniert damals wie heute – auch wenn der literarische Brief im Erscheinungsjahr 1774 bereits ein etabliertes Mittel war.

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Wo das Unausgesprochene regiert

Interessant wird ein Leben ja erst dann, wenn es die gerade Bahn verlässt – und die erwarteten Muster. Oder, wie es Eva Schmidt in Die untalentierte Lügnerin erzählt, gar nicht erst in diese Muster passen will. Dass daraus Konflikte entstehen, ist logisch. Nicht nur mit sich selbst, sondern vor allem mit der Mutter und ihren durchaus überkommenen, verlogenen Wertvorstellungen.

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Menschsein unter der Glasglocke

Wer mich nach der besten Mediensatire der vergangenen Jahre fragt, bekommt eine prompte und unmissverständliche Antwort: Die Terranauten von T. C. Boyle. Menschen zu isolieren und ihr Zusammenleben als mediales Spektakel zu verkaufen – daran hat sich das Reality-TV im Fernsehen schon oft auf erbärmliche Weise versucht. Doch während das klassische Container-Format an der eigenen Oberflächlichkeit krankt, hebt T. C. Boyle das Prinzip auf ein völlig neues Niveau.

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Pompeji als zeitlose Mahnung

Wie nur wenige andere Autoren versteht es Robert Harris, historische Fakten meisterhaft mit Fiktion zu verknüpfen. In seinem Bestseller Vaterland tat er das so konsequent, dass man ihm die beklemmende Dystopie – ein fortbestehendes NS-Regime in den Fünfzigern – von der ersten Seite an abnahm. Was zunächst hanebüchen klingen mag, funktioniert innerhalb der Geschichte perfekt. Bei Pompeji ist es genau das Gleiche.

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Nach dem Zitat

Den Götz von Berlichingen habe auch ich durch das bis zur Unsäglichkeit verwendete Zitat kennengelernt, mich danach immerhin für die Fernsehperle mit Raimund Harmstorf interessiert und viele Jahre später endlich für die reine Lektüre des Reclam-Hefts, das ehrlicherweise der höchste Genuss war. Da hat einer offenbar wirklich für die Vorlesung getextet, die Sprache ist so altertümlich gehalten, dass Kostüme fast gar nicht gebraucht werden.

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