Kriege haben ihre Helden, ihre Täter, ihre Opfer – und ihre Narren. Letztere überleben sie meist am längsten. Sie dürfen sagen, was andere nicht aussprechen können, und sie bewegen sich zwischen den Fronten, weil sie zu keiner gehören. Tyll ist ein solcher Narr. Es hat ihn schon gegeben, lange bevor er bei Daniel Kehlmann auftrat – und erst recht im Dreißigjährigen Krieg. Kehlmann hat darüber einen Roman geschrieben, der nicht erklärt, nicht ordnet, nicht tröstet, sondern sich mit der schonungslosen Wahrheit auseinandersetzt.
Die Wahrheit tanzt auf dem Seil weiterlesenAutor: Oliver
Ein Lump bleibt ein Lump
Gerade habe ich wieder ein wunderbares Beispiel dafür entdeckt, wie gut Johann Nestroy (1801-1862) in unsere Zeit passt: Das Landestheater Linz hatte Der böse Geist Lumpazivagabundus auf die Bühne gebracht, irgendwer hatte die Aufführung irgendwo ins Netz gestellt – und ich habe Tränen gelacht. Trashig-kitschige Geistdarstellungen, ein Hauch moderner Polizei, schräger Gesang, sichtbare Spielfreude. Kurzum: Anlass genug, sich diese Zauberposse mit Gesang in drei Akten noch einmal ganz altmodisch als Reclam-Ausgabe zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich. Sehr.
Ein Lump bleibt ein Lump weiterlesenMelodie von Liebe und Sehnsucht
Sein zweites Wort nach „Mama“ war „Mahler“. Und sie wollte wissen, warum Dostojewski die langweiligen Bücher so lang geschrieben hatte und Der Spieler so kurz. Er ist Hannes, sie Polina. Er verliebt sich, sie vielleicht auch. Auf jeden Fall will er – das Kind – nur noch mit ihr zusammen sein. Doch Hannes Prager versteht nicht, als ihm seine Mutter erklärt, Polina werde nun eine Weile weg sein. Ist es wirklich, weil sie ihrer Mutter Güneş in Istanbul zur Hand gehen muss? Hannes wartet nicht lange, sondern versucht nur noch, sich an den Klang ihrer Stimme zu erinnern.
Melodie von Liebe und Sehnsucht weiterlesenErst Amore, dann Absturz
An mein erstes live erlebtes Konzert von Marco Wanda erinnere ich mich genau. Im Capitol in Hannover war das. Die Eintrittskarten stecken noch heute in der CD-Hülle von Amore. Dienstag, 1. Dezember 2015. Wir waren früh da, bekamen den Soundcheck mit, die Vorband – und dann sogar eine eigene Version von „Bologna“. Schließlich der Auftritt von Wanda, damals noch mit Christian Hummer am Schlagzeug, der 2022 starb.
Erst Amore, dann Absturz weiterlesenDer Wert des Wartens
Smartphone in Position gebracht, fotografiert, kurz kontrolliert – und vergessen. Dauerhaft bleibt da oft nichts. Tiefe auch nicht. Natürlich könnte ich genauso fotografieren wie alle anderen. Sogar weniger hektisch mit hingewischten Einstellungen. Kontrolliert ja keiner. Und trotzdem zieht es mich immer wieder zurück zu meiner alten Kamera und zum Film.
Der Wert des Wartens weiterlesen