Wer heute durch das Kloster Möllenbeck bei Rinteln geht, begegnet vor allem der Stille. Schritte hallen auf Stein, Türen knarren leise, der Blick verliert sich im weiten Innenhof. Dass diese Ruhe einst das Produkt eines streng getakteten Alltags war, lässt sich heute nur noch erahnen. Überliefert ist diese Ordnung vor allem in Texten – verfasst von einem Mann, der Struktur nicht nur lebte, sondern sie in einer Epoche des Chaos neu begründen musste. Konrad Hoier stammte aus Lüdenhausen im heutigen Kalletal. Als Subprior des Stifts Möllenbeck gehörte er zwar nicht zur absoluten Spitze des Konvents, trug jedoch die maßgebliche Verantwortung für die Disziplin, die Verwaltung und den geistlichen Alltag. Sein Wirken fiel in eine Phase existenzieller Verunsicherung: Die Reformation hatte das religiöse Leben fundamental erschüttert, und der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) legte Europa in Trümmer.
Konrad Hoier und das stille Maß der Tage weiterlesenAutor: Oliver
Dampfschiffe, Dschungel, Despoten
Bücher zur Kolonialgeschichte faszinieren mich, da dieses Kapitel unserer Vergangenheit noch längst nicht ausreichend aufgearbeitet ist. Ein wunderbar kurzweiliger und historisch fundierter Zugang ist der Roman Eine Frage der Zeit von Alex Capus, der die kolonialen Machtspiele in Deutsch-Ostafrika beleuchtet. Besonders die teils überzeichneten Charaktere spiegeln die historische Absurdität des Geschehens perfekt wider.
Dampfschiffe, Dschungel, Despoten weiterlesenZeitlos im Bücherregal
Manche Romane führen ein ungelesenes Dasein im Bücherregal – manchmal über viele Jahre. Zuweilen ist die Zeit einfach noch nicht reif. Jetzt war sie es für Die Straße der Ölsardinen, immerhin das Werk eines Nobelpreisträgers. Ich habe John Steinbecks Text als historischen Roman gelesen, der er streng genommen nicht ist.
Zeitlos im Bücherregal weiterlesenDie Spaltung der Welt?
Ist Anselmus wirklich glücklich auf seinem Rittergut in Atlantis? Ist er erlöst in jenem Zauberreich, in dem er nun mit der Schlange Serpentina lebt? Im klassischen Volksmärchen stünde die Antwort außer Frage: Das Paar lebte glücklich bis ans Ende seiner Tage. Das romantische Kunstmärchen jedoch – als Märchen aus der neuen Zeit – bricht mit dieser Eindeutigkeit. Es verweigert die einfache Harmonie und lässt mindestens zwei, wenn nicht noch mehr Deutungsszenarien zu.
Die Spaltung der Welt? weiterlesenDer Mann, der die Zauberwelt entzauberte
Dass er ein Österreicher ist, hatte mein liebster Germanistikprofessor plakativ auf seiner Sprechzimmertür dokumentiert. Durch ihn wurde ich – vermutlich schon im ersten Semester – auf Johann Nepomuk Nestroy aufmerksam, den „wienerischen Shakespeare“. Dass ich mein Studium Jahre später mit Nestroy abschließen sollte, ahnte ich damals noch nicht. Das Wiener Vorstadttheater, dessen prägende Gestalten neben Nestroy Ferdinand Raimund und der Theaterdirektor Carl Carl waren, hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Wer war dieser Mann, den der Wiener Kritiker Karl Kraus später als den größten deutschen Satiriker würdigen sollte?
Der Mann, der die Zauberwelt entzauberte weiterlesen