Maria und Josef Moosbrugger sind ein schönes Paar – und doch täuscht der äußere Schein. Schönheit kann die Wirklichkeit überblenden, und für manche wirkt sie fremdartig, fast bedrohlich. Die Moosbruggers leben mit ihren vier Kindern am Rand eines österreichischen Bergdorfs, abseits der Welt der Abseitigen. Monika Helfer erzählt die eigene Geschichte in ihrem Roman Die Bagage.
Abseits der Welt der Abseitigen weiterlesenBlog
Vielleicht war es das Licht
Du stehst am Meer und schließt die Augen. Du spürst alles und hältst einen Moment inne. Und dann öffnest du doch den Blick. Du schaust hoch – und siehst dieses Licht. Das Licht und, wenn du den Blick senkst, das Meer. Und die Bäume, diese seltsam vom Wind geformten Bäume.
Die Kunst hat hier nach Muße gesucht, nach Gesundheit oder nach Liebe. Die Kinder wollten Freiheit. Robert Musil, Kurt Tucholsky, Alfred Kerr, Franz Kafka, Erich Kästner, Hans Fallada, dann Walter Kempowski – große Namen neben vielen weiteren. Und wirklich: Graal-Müritz ist ein eigentümlicher Ort.
Vielleicht war es das Licht weiterlesenGoethe, Schall, Rauch
Dass Namen gern in Schall und Rauch aufgehen, ist hinlänglich bekannt. Der Name Goethe ist allerdings von ganz anderer Qualität. Sein Name steht felsenfest in der Erinnerungskultur, wie auch immer diese Kultur aussehen mag. Charles Lewinsky nennt seinen Roman Rauch und Schall und beschreibt Goethe höchst menschlich, wobei bereits der erste Satz den Ton setzt: Goethe hatte Hämorrhoiden.
Mit dieser profanen, schmerzhaften Realität holt Lewinsky den olympischen Dichterfürsten im Spätherbst 1814 vom Sockel. Wir begegnen einem 65-jährigen Geheimrat, der auf dem Höhepunkt seines Ruhms steht, sich zur Kur im thüringischen Bad Tennstedt befindet, aber unter einer hartnäckigen literarischen Blockade und körperlichen Leiden leidet. Das monumentale Ego ist blockiert – bis ein junger, mittelloser Regionalschriftsteller die Bühne betritt: Christian August Vulpius.
Goethe, Schall, Rauch weiterlesenAuf der Suche nach dem weißen Licht
Literatur schenkt Erfahrungen. Im besten Fall sorgt sie für Rausch – ganz ohne die ungesunden Konsequenzen, die der Konsum realer Substanzen im echten Leben mit sich bringt. Tragisch ist dabei nur, dass ausgerechnet diejenigen, die uns diesen fiktiven Rausch ermöglichen, oft selbst unter einer künstlich heraufbeschworenen Bewusstseinserweiterung gelitten haben. Edgar Allan Poe und sein in Wein gelöstes Opium (Laudanum) ist ein Beispiel von vielen; Georg Trakl, der als Apotheker leichten Zugang zu Morphin hatte, ein anderes. Auch T.C. Boyle kennt sich aus eigener Erfahrung mit den Abgründen synthetischer Drogen aus. Genau deshalb geht ein Roman wie Das Licht so unglaublich in die Tiefe.
Auf der Suche nach dem weißen Licht weiterlesenMenschsein unter der Glasglocke
Wer mich nach der besten Mediensatire der vergangenen Jahre fragt, bekommt eine prompte und unmissverständliche Antwort: Die Terranauten von T.C. Boyle. Menschen zu isolieren und ihr Zusammenleben als mediales Spektakel zu verkaufen – daran hat sich das Reality-TV im Fernsehen schon oft auf erbärmliche Weise versucht. Doch während das klassische Container-Format an der eigenen Oberflächlichkeit krankt, hebt T.C. Boyle das Prinzip auf ein völlig neues Niveau. Man stelle sich vor, die soziale Isolation bekäme einen tiefen, scheinbar unumstößlichen wissenschaftlichen Hintergrund. Ein naturwissenschaftliches Großexperiment vor den Augen der Weltöffentlichkeit: Kann der Mensch in einer künstlich geschaffenen, abgeschlossenen Atmosphäre überleben? Er kann es sicherlich – die Frage ist nur: wie? Denn in letzter Konsequenz bleibt der Mensch eben doch nur Mensch. Passend dazu bekannte Boyle einst in einem Interview mit Denis Scheck, dass sein Herz „black inside“ sei.
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