Auf der Suche nach dem weißen Licht

Literatur schenkt Erfahrungen. Im besten Fall sorgt sie für Rausch – ganz ohne die ungesunden Konsequenzen, die der Konsum realer Substanzen im echten Leben mit sich bringt. Tragisch ist dabei nur, dass ausgerechnet diejenigen, die uns diesen fiktiven Rausch ermöglichen, oft selbst unter einer künstlich heraufbeschworenen Bewusstseinserweiterung gelitten haben. Edgar Allan Poe und sein in Wein gelöstes Opium (Laudanum) ist ein Beispiel von vielen; Georg Trakl, der als Apotheker leichten Zugang zu Morphin hatte, ein anderes. Auch T.C. Boyle kennt sich aus eigener Erfahrung mit den Abgründen synthetischer Drogen aus. Genau deshalb geht ein Roman wie Das Licht so unglaublich in die Tiefe.

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Menschsein unter der Glasglocke

Wer mich nach der besten Mediensatire der vergangenen Jahre fragt, bekommt eine prompte und unmissverständliche Antwort: Die Terranauten von T.C. Boyle. Menschen zu isolieren und ihr Zusammenleben als mediales Spektakel zu verkaufen – daran hat sich das Reality-TV im Fernsehen schon oft auf erbärmliche Weise versucht. Doch während das klassische Container-Format an der eigenen Oberflächlichkeit krankt, hebt T.C. Boyle das Prinzip auf ein völlig neues Niveau. Man stelle sich vor, die soziale Isolation bekäme einen tiefen, scheinbar unumstößlichen wissenschaftlichen Hintergrund. Ein naturwissenschaftliches Großexperiment vor den Augen der Weltöffentlichkeit: Kann der Mensch in einer künstlich geschaffenen, abgeschlossenen Atmosphäre überleben? Er kann es sicherlich – die Frage ist nur: wie? Denn in letzter Konsequenz bleibt der Mensch eben doch nur Mensch. Passend dazu bekannte Boyle einst in einem Interview mit Denis Scheck, dass sein Herz „black inside“ sei.

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