Auf der Suche nach dem weißen Licht

Literatur schenkt Erfahrungen. Im besten Fall sorgt sie für Rausch – ganz ohne die ungesunden Konsequenzen, die der Konsum realer Substanzen im echten Leben mit sich bringt. Tragisch ist dabei nur, dass ausgerechnet diejenigen, die uns diesen fiktiven Rausch ermöglichen, oft selbst unter einer künstlich heraufbeschworenen Bewusstseinserweiterung gelitten haben. Edgar Allan Poe und sein in Wein gelöstes Opium (Laudanum) ist ein Beispiel von vielen; Georg Trakl, der als Apotheker leichten Zugang zu Morphin hatte, ein anderes. Auch T.C. Boyle kennt sich aus eigener Erfahrung mit den Abgründen synthetischer Drogen aus. Genau deshalb geht ein Roman wie Das Licht so unglaublich in die Tiefe.

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Menschsein unter der Glasglocke

Wer mich nach der besten Mediensatire der vergangenen Jahre fragt, bekommt eine prompte und unmissverständliche Antwort: Die Terranauten von T.C. Boyle. Menschen zu isolieren und ihr Zusammenleben als mediales Spektakel zu verkaufen – daran hat sich das Reality-TV im Fernsehen schon oft auf erbärmliche Weise versucht. Doch während das klassische Container-Format an der eigenen Oberflächlichkeit krankt, hebt T.C. Boyle das Prinzip auf ein völlig neues Niveau. Man stelle sich vor, die soziale Isolation bekäme einen tiefen, scheinbar unumstößlichen wissenschaftlichen Hintergrund. Ein naturwissenschaftliches Großexperiment vor den Augen der Weltöffentlichkeit: Kann der Mensch in einer künstlich geschaffenen, abgeschlossenen Atmosphäre überleben? Er kann es sicherlich – die Frage ist nur: wie? Denn in letzter Konsequenz bleibt der Mensch eben doch nur Mensch. Passend dazu bekannte Boyle einst in einem Interview mit Denis Scheck, dass sein Herz „black inside“ sei.

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Der Mann, der die Zauberwelt entzauberte

Dass er ein Österreicher ist, hatte mein liebster Germanistikprofessor plakativ auf seiner Sprechzimmertür dokumentiert. Durch ihn wurde ich – vermutlich schon im ersten Semester – auf Johann Nepomuk Nestroy aufmerksam, den „wienerischen Shakespeare“. Dass ich mein Studium Jahre später mit Nestroy abschließen sollte, ahnte ich damals noch nicht. Das Wiener Vorstadttheater, dessen prägende Gestalten neben Nestroy Ferdinand Raimund und der Theaterdirektor Carl Carl waren, hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.

Wer war dieser Mann, den der Wiener Kritiker Karl Kraus später als den größten deutschen Satiriker würdigen sollte?

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Warum Der Name der Rose mein Lieblingsbuch ist

Ich sehe mich im Sommer auf einer Liege im Garten. In den Händen halte ich ein Buch – für mich das Buch, wie sich bald herausstellen sollte: Der Name der Rose von Umberto Eco. Es muss irgendwann um 1990 gewesen sein, in den Monaten zwischen Bundeswehr und Studium. Das Leben insgesamt war erstaunlich schön, aber doch ziemlich kompliziert, was in dieser Phase wohl völlig normal ist.

Ausflüge – ich sage bewusst nicht Fluchten – in die Literatur gehörten damals längst zu meinem Alltag. Während viele meiner Altersgenossen ihre Freizeit vor allem mit Filmen verbrachten, zog es mich immer wieder in Bücherwelten.

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Alex Capus und die absurden Machtspiele in Deutsch-Ostafrika

Bücher zur Kolonialgeschichte faszinieren mich, da dieses Kapitel unserer Vergangenheit noch längst nicht ausreichend aufgearbeitet ist. Ein wunderbar kurzweiliger und historisch fundierter Zugang ist der Roman Eine Frage der Zeit von Alex Capus, der die kolonialen Machtspiele in Deutsch-Ostafrika beleuchtet. Besonders die teils überzeichneten Charaktere spiegeln die historische Absurdität des Geschehens perfekt wider.

Im Jahr 1913 reisen die Papenburger Werftarbeiter Anton Rüter, Hermann Wendt und Rudolf Tellermann im Auftrag der Kolonialverwaltung nach Ostafrika. Ihr Ziel: das zuvor in Deutschland probeweise montierte, dann für den Transport zerlegte Dampfschiff Goetzen am Tanganjikasee endgültig zusammenzusetzen. Das imposante Schiff soll vor allem die belgischen Nachbarn im Kongo beeindrucken. Schon der Transport – verpackt in rund 5.000 Kisten, verschifft auf drei Dampfern und per Bahn nach Kigoma transportiert – gerät zum logistischen Abenteuer.

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