Keine Schande sei es, Goethe nicht zu lesen – so stellt Gustav Seibt gleich zu Beginn seines neuen Buches Ein Sommer mit Goethe beruhigend klar. Aber, und da pflichte ich ihm aus vollem Herzen bei: Es ist schlicht schade.
Diesen „Sommerkurs“ – Seibts Klappentext spricht treffend von einer Einführung in den Goetheschen Kosmos – habe ich tatsächlich mitten im Sommer absolviert. Nach akademischem Pflichtprogramm fühlte sich die Lektüre allerdings zu keiner Zeit an. Nach fast 40 Jahren Auseinandersetzung mit dem alten Geheimrat – mal intensiver, mal aus der Distanz – darf ich mich durchaus zu jenen zählen, die sein Werk gut kennen. Die Leiden des jungen Werther gehören seit Langem zu meinen Lebensbüchern. Auch durch zahlreiche Biografien habe ich mich gearbeitet – von Heinrich Dörings früher Darstellung aus dem Jahr 1853 bis zu Rüdiger Safranskis Goethe. Kunstwerk des Lebens.
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