Wer heute an das frühe Mittelalter denkt, hat oft ein düsteres Bild im Kopf: rauchende Scheiterhaufen, finstere Burgen und eine tiefgläubige, rein christliche Welt. Doch wenn ich intensiver in die Geschichte eintauche, stoße ich immer wieder auf Brüche, die dieses Bild ins Wanken bringen. Das faszinierendste Beispiel dafür begleitete mich schon mein halbes Leben: die Merseburger Zaubersprüche.
Sie sind die einzigen erhaltenen Zeugnisse rein germanisch-heidnischer Religiosität in unserer Sprache. Doch ihre Geschichte birgt ein großes Paradox: Aufgeschrieben wurden sie nicht von heimlichen Heiden im finsteren Wald, sondern von einem christlichen Mönch im Herzen der damaligen Hochkultur.
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