Pentax ME Super – klein, elegant und bis heute eine große Kamera

Dass die Kamera aus den Achtzigerjahren stammt, erkennt man erst auf den zweiten Blick. Sie ist ausgesprochen handlich, fast klein im Gegensatz etwa zu den wuchtigen Praktica-Modellen dieser Epoche. Wo andere Kameras der damaligen Zeit schwer in der Hand liegen und fast schon mechanische Kompromisslosigkeit ausstrahlen, wirkt die Pentax ME Super wie ein leises Versprechen: Fotografie ohne Ballast, reduziert auf das Wesentliche, verpackt in zeitlose Eleganz.

Um zu verstehen, warum die ME Super so kompakt gebaut ist, muss man einen Blick auf die späten 1970er-Jahre werfen. Bis dahin waren Spiegelreflexkameras (SLRs) oft klobige, schwere Arbeitsgeräte – man denke nur an die legendäre, aber massive Pentax K1000. Doch der Markt verlangte nach Leichtigkeit.

Ich mag den schwarz-weißen Ton, hier mit der Pentax ME Super aufgenommen. Film: Agfa APX 100 Professional.

Pentax reagierte darauf mit der revolutionären M-Serie (ab 1976). Das Ziel der Ingenieure war eine radikale „Schrumpfkur“ des Gehäuses, ohne dabei Kompromisse bei der optischen Qualität einzugehen. Nach der puristischen Pentax ME erschien 1979 schließlich das hochentwickelte Schwestermodell: die ME Super. Sie korrigierte den größten Kritikpunkt des Vorgängers – die rein automatische Belichtung – und brachte den vollmanuellen Modus zurück. Es war der Höhepunkt einer Ära, in der Pentax zeigte, dass professionelle Technik problemlos in eine Manteltasche passen kann.

Wer zum ersten Mal durch den Sucher der ME Super blickt, erlebt eine kleine Offenbarung. Trotz des kompakten Gehäuses ist das Sucherbild riesig – mit einer 0,95-fachen Vergrößerung stellt sie selbst moderne Vollformat-Kameras mühelos in den Schatten. Es ist ein heller, klarer Blick auf die Welt, bei dem eine dezente LED-Leiste am linken Rand über die Belichtungszeit informiert. Kein Zeigerzappeln, kein Ablenken vom Motiv.

Bei aller Liebe zum Design gibt es jedoch ein Detail, das die Harmonie ein wenig stört – und das mich schon früher regelmäßig herausgefordert hat: der winzige Entriegelungsknopf am Hauptschalter (dem Drehrad für die Betriebsarten L, Auto, M, 125X und B).

Dieser winzige, weiße Knopf ist alles andere als handlich geraten. Wer etwas kräftigere oder gar „klobigere“ Finger hat, stößt hier schnell an die Grenzen der Nutzbarkeit. Man muss ihn präzise herunterdrücken, um das Rad überhaupt aus der Sperre bewegen zu können. Ein ergonomischer Geniestreich war das wahrlich nicht. Aber wie bei so vielen Dingen im Leben gilt auch hier: Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt und der Daumen entwickelte die nötige Feinmotorik.

Ebenfalls aus der Serie: Stromversorgung über der Weser.

Zum Glück muss ich heute nicht auf eBay auf die Jagd gehen, um ein gut erhaltenes Exemplar zu „schießen“. Ich besitze meine ME Super bereits seit Jahrzehnten. Sie ist ein Erbstück meines Vaters, der sie über all die Jahre hinweg wie einen Schatz gehütet und in der Originalverpackung aufbewahrt hat.

Als ich vor über 30 Jahren meine ersten Schritte als Journalist machte, war diese Kamera meine treue Begleiterin im Berufsalltag. Nach den Terminen ging es damals mit den frisch belichteten Filmen schnurstracks in die redaktionseigene Dunkelkammer, um die Bilder für die nächste Ausgabe selbst zu entwickeln. Das hatte einen ganz eigenen, fast gehetzten Rhythmus.

Heute habe ich dazu keine Muße mehr. Wenn ich heute mit der ME Super auf Motivsuche gehe, lasse ich mir Zeit. Die Filme bringe ich ganz entspannt zur Entwicklung in die nächste Drogerie. Und ganz ehrlich: Dieses tagelange Warten auf die Abzüge mindert den Spaß überhaupt nicht – im Gegenteil, es erhöht die Vorfreude und die Spannung, bis man die Bilder endlich in den Händen hält.

Wer sich für die inneren Werte dieser Kamera interessiert, stößt auf eine faszinierende Kombination aus Mechanik und früher Mikroelektronik. Herzstück der ME Super ist ein vertikal ablaufender Metalllamellen-Schlitzverschluss aus dem Hause Seiko (der legendäre MFC-E4). Er ermöglicht im Automatikmodus eine stufenlose Belichtung von vier Sekunden bis hin zu einer für damalige Verhältnisse rasanten 1/2000 Sekunde. Die Messung erfolgt dabei mittenbetont und durch das geöffnete Objektiv, gesteuert von schnellen Gallium-Arsenid-Phosphid-Fotodioden, die auch bei schnellen Lichtwechseln präzise arbeiten.

Windmühle in Todtenhausen.

Sollte der Kamera unterwegs einmal der Strom ausgehen, zeigt sich ihre durchdachte Konstruktion: Während für die Belichtungsmessung und die automatischen Zeiten zwei einfache, überall erhältliche 1,5V-Knopfzellen (vom Typ LR44 oder SR44) benötigt werden, besitzt die ME Super eine mechanische Notzeit. Bei 1/125 Sekunde – gleichzeitig die Blitzsynchronzeit – sowie im Bulb-Modus für Langzeitbelichtungen löst die Kamera vollkommen ohne Batterie aus. Man steht also nie mit einem völlig nutzlosen Gehäuse im Feld.

Wie kompakt die ME Super trotz ihrer Möglichkeiten geblieben ist, zeigen die technischen Daten: Das Gehäuse misst lediglich 132 × 83 × 50 Millimeter und wiegt ohne Objektiv und Batterien gerade einmal 445 Gramm. Zusammen mit dem Pentax-K-Bajonett und einer einstellbaren Filmempfindlichkeit von ISO 12 bis 1600 entstand eine Kamera, die auch heute noch erstaunlich modern wirkt.

Vielleicht liegt genau darin ihr Erfolgsgeheimnis. Die ME Super verzichtet auf alles Überflüssige und konzentriert sich auf das Wesentliche: einen hellen Sucher, zuverlässige Technik und eine Bedienung, die den Fotografen in den Mittelpunkt stellt. Auch nach mehr als vier Jahrzehnten fühlt sie sich deshalb nicht wie ein nostalgisches Sammlerstück an, sondern wie eine Kamera, mit der man einfach losziehen möchte.

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