Die leise Präsenz der Caroline von Humboldt

Und so könnte ich sie an fast jedem Morgen sehen. Denn an fast jedem Morgen komme ich an ihrem Porträt vorbei – oder genauer: an der Silhouette, die an der Klinkerwand des Herder-Gymnasiums angebracht ist, gleich neben der des Namensgebers, der – so mögen es besonders schlaue Menschen bewerten – möglicherweise wichtiger gewesen sei. Die Rede ist von Caroline von Humboldt, einer ausgesprochen modernen Frau, die vor 260 Jahren in Minden geboren wurde, vielleicht an der heutigen Kampstraße 25.

Vor zehn Jahren hat die Redaktion, in der ich arbeite, ihr eine ganze Zeitungsseite gewidmet. Heute will ich wenigstens in meinem Blog an die berühmte Mindenerin erinnern.

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Scharfe Kanten, stumme Zeugen

Der Schein des Feuers wirft lange, unruhige Schatten an die Holz- und Lehmwände der Hütte. Das Eisen des Stichels kratzt leise, aber bestimmt über die kühle Rückseite einer Fibel. Span für Span weicht das Metall. Kein schnelles Schreibwerkzeug gleitet hier über Pergament; jeder Strich ist Arbeit. Eine senkrechte Linie führt nach unten, zwei schräge Zacken setzen an – eckig und karg, angepasst an das Material.

Ob sich eine solche Szene tatsächlich abgespielt hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist sie zumindest nicht völlig abwegig. Und ihr wisst es ja: Literatur und Fantasie gehören zusammen und befruchten sich – was den wissenschaftlichen Anspruch ja nicht zwangsläufig ausblendet.

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