Kultur, Klang, Kamera

Monat: August 2025

Zwischen Mauern und Worten – Konrad Hojer im Kloster Möllenbeck

Für mich war es eine kleine Überraschung zu entdecken, dass diese Mauern nicht nur von Stein, sondern auch von Sprache geprägt sind. Und von Blumen.

Eigentlich habe ich die Angewohnheit, bei von mir besuchten Orten nach literarischen Bezügen Ausschau zu halten. Haben dichtende Menschen hier ihre Spuren hinterlassen? Beim Kloster Möllenbeck in Rinteln, das ich schon seit frühen Schulzeiten wegen des dortigen Jugendgästehauses kenne, bin ich allerdings erst jetzt darauf gekommen. Dass es hier einen Subprior namens Konrad Hojer gab, der sich anno 1611 (so lange ist das her!) sogar mit einer Dichterkrone schmücken durfte, ist vollends an mir vorbeigegangen. Na ja – und bei der eigenen Hochzeit, die ich vor jetzt neun Jahren in der angrenzenden Kloster-Gastronomie gefeiert habe, hatte ich noch anderes im Sinn.

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Das Buch der Jahreszeiten – Fotokunst von 1927 neu erleben

Die Fotos haben auch nach fast hundert Jahren eine unglaubliche Tiefe. Sie erzeugen eine Atmosphäre, die fast an Kino erinnert.

Wer hier ab und zu mitliest, weiß vielleicht, dass ich eine Schwäche für alte und sehr alte Bücher habe. In diesem Beitrag geht es um einen Bildband, der heute meist nur noch in Antiquariaten erhältlich ist: Das Buch der Jahreszeiten, herausgegeben 1927 von Herbert Dubler. Ein Werk, das eindrucksvoll zeigt, wie sich unsere Wahrnehmung von Fotografie und Bildkunst im Lauf der Jahrzehnte verändert hat.

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Blüten über dem Schwedenkreuz

Literarische Wege, Folge 4.

Unterwegs sein, sehen, erinnern – und Worte finden. In dieser Serie folge ich Spuren von Dichtern und Geschichten an realen Orten: von alten Burgruinen bis zu Blumeninseln, von städtischen Parks bis zu Dörfern am Wasser. Jeder Ort erzählt – manchmal laut, manchmal leise. Ich höre zu und schreibe auf.

Das Schwedenkreuz – stiller Zeuge vergangener Zeiten auf der Blumeninsel Mainau.

Zuerst kommt das Schwedenkreuz in den Blick.
Es erinnert an unruhige Zeiten, an Tod und Krieg.
Solche Zeiten hat es später auch noch gegeben,
doch die Leichen hat man weggebracht.

Heute ist alles überwachsen, schön und duftend,
auch die Erinnerung. Und es ist ein Paradies entstanden.
Irgendwie. Eine Blumeninsel.

Unbedarft durchstreifen wir das Land im Kleinen,
genießen die Farben, die Schönheit.
Wir gehen unter Bäumen,
die längst mehr gesehen haben als wir.
Palmen, Rosen, Dahlien –
ein Fest, das nicht enden will.
Das nicht enden soll.

Und doch ist der Tag irgendwann vorüber.
Wir verlassen die Insel.
Und da ist es wieder: das Schwedenkreuz.
Das Wasser ist unruhiger geworden.
Der Schwan ist nicht mehr da.

Mir ist aufgefallen,
dass ich kaum verwelkte Blumen gesehen habe.

Ein schwebendes Dorf

Literarische Wege, Folge 3.

Unterwegs sein, sehen, erinnern – und Worte finden. In dieser Serie folge ich Spuren von Dichtern und Geschichten an realen Orten: von alten Burgruinen bis zu Blumeninseln, von städtischen Parks bis zu Dörfern am Wasser. Jeder Ort erzählt – manchmal laut, manchmal leise. Ich höre zu und schreibe auf.

Die Pfahlbauten in Unteruhldingen am Bodensee.

Wir tauchen ein in das alte Leben am Wasser.
Das Tor öffnet sich – und da sind sie: die Pfahlhäuser.
Ein schwebendes Dorf.

So ähnlich könnte es gewesen sein:
weniger touristisch, weniger aufgehübscht, unperfekter –
und mit dem Wissen, das sich gerade schafft.

Einer ritzt ein Bild in die Wand.
Er erzählt von sich. Ein früher Literat?

Sechstausend Jahre später gehe ich hinaus.
Blicke auf die Schatten.
Sie sprechen mit mir. Wortlos.


Die Pfahlhäuser in Unteruhldingen am Bodensee haben mich im Sommer 2025 echt beeindruckt. Zwischen Wasser, alten Pfählen und liebevoll gestalteten Gebäuden taucht man in die Geschichte der Region ein. Gleichzeitig zeigt sich die besondere Atmosphäre des Bodensees, wo Natur, Handwerk und Geschichte auf faszinierende Weise zusammentreffen. Hier gibt es eine Bildergalerie.

Burg Hohenfels – zwischen Wald und Geschichte

Literarische Wege, Folge 2.

Unterwegs sein, sehen, erinnern – und Worte finden. In dieser Serie folge ich Spuren von Dichtern und Geschichten an realen Orten: von alten Burgruinen bis zu Blumeninseln, von städtischen Parks bis zu Dörfern am Wasser. Jeder Ort erzählt – manchmal laut, manchmal leise. Ich höre zu und schreibe auf.

Viel ist von der Burg oberhalb des Örtchens Sipplingen am Bodensee nicht zu sehen. Es reicht aber, sich die Geschichten vorzustellen, die hier passiert sein könnten.

Es geht bergauf. Weiter und weiter.
Ich bin allein.

Der kühlende See liegt im Hintergrund, der Wald wird dichter. Ich sehe das Wasser nur, wenn ich mich wirklich anstrenge.
Und überhaupt: ich strenge mich an. So steil ist der schmale Weg.

Es ist heiß heute.

Und dann – zwischen Wald und Felsen – die Reste der Burg.
Ein schmaler Pfad führt mich hin. Nur noch ein paar Meter.

Hinter der letzten Wende steht links eine rote Bank.
Ich habe jetzt keine Zeit; ich will sehen, was von der Geschichte geblieben ist.

Oder von den Geschichten.

Ich berühre die Mauer und schließe die Augen.
Ich will mir Zeit lassen.


Die Mauern haben also nicht nur Steine, sondern auch Geschichten bewahrt – von einem Minnesänger und einem freigiebigen Burgfräulein.
Davon erzähle ich demnächst…

Hölderlins Ruheort in Bad Homburg vor der Höhe

Literarische Wege, Folge 1.

Unterwegs sein, sehen, erinnern – und Worte finden. In dieser Serie folge ich Spuren von Dichtern und Geschichten an realen Orten: von alten Burgruinen bis zu Blumeninseln, von städtischen Parks bis zu Dörfern am Wasser. Jeder Ort erzählt – manchmal laut, manchmal leise. Ich höre zu und schreibe auf.

Hölderlin-Denkmal im Kurpark Bad Homburg vor der Höhe.

Hölderlins Ruheort war kein Friedhof.
Hölderlins Ruheort war ein Park.
Geholfen hat es ihm nicht.

Aber immerhin hatte er das Rauschen gehört. Hier in Bad Homburg vor der Höhe.

Wir hören es auch.

Und wir hören einen alten Mann, der Gitarre spielt. Flamenco. Gar nicht so schlecht. Wir wechseln Blicke. Weiß er, dass auch ich musiziere?

Dann hören wir eine Nilgans. Dann noch eine. Und noch eine. Vielleicht Hunderte.
Dann bricht das alles wieder ab.

Hier treffen wir uns, auf dem Weg ins Wiesthal.

Jetzt gibt es dieses Denkmal, das Hölderlin nicht ahnen konnte und das wohl fern seiner Vorstellung war.

Hölderlin beschloss zu dichten. Und Susette war weit.

Es gelang den beiden nicht, das schier unmenschliche Format, das sie sich mit ihrer gewaltsamen Größe gesetzt hatten, durchzuhalten….

Ulrich Häussermann, 1961

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