Literarische Wege, Folge 4.

Unterwegs sein, sehen, erinnern – und Worte finden. In dieser Serie folge ich Spuren von Dichtern und Geschichten an realen Orten: von alten Burgruinen bis zu Blumeninseln, von städtischen Parks bis zu Dörfern am Wasser. Jeder Ort erzählt – manchmal laut, manchmal leise. Ich höre zu und schreibe auf.

Das Schwedenkreuz – stiller Zeuge vergangener Zeiten auf der Blumeninsel Mainau.

Zuerst kommt das Schwedenkreuz in den Blick.
Es erinnert an unruhige Zeiten, an Tod und Krieg.
Solche Zeiten hat es später auch noch gegeben,
doch die Leichen hat man weggebracht.

Heute ist alles überwachsen, schön und duftend,
auch die Erinnerung. Und es ist ein Paradies entstanden.
Irgendwie. Eine Blumeninsel.

Unbedarft durchstreifen wir das Land im Kleinen,
genießen die Farben, die Schönheit.
Wir gehen unter Bäumen,
die längst mehr gesehen haben als wir.
Palmen, Rosen, Dahlien –
ein Fest, das nicht enden will.
Das nicht enden soll.

Und doch ist der Tag irgendwann vorüber.
Wir verlassen die Insel.
Und da ist es wieder: das Schwedenkreuz.
Das Wasser ist unruhiger geworden.
Der Schwan ist nicht mehr da.

Mir ist aufgefallen,
dass ich kaum verwelkte Blumen gesehen habe.