Der neue Roman von Jörg-Uwe Albig – meine Leseempfehlung.

Zornfried von Jörg-Uwe Albig ist ein satirischer Roman über die Neue Rechte und journalistische Verantwortung. Ein Spessart-Schloss, schwülstige Gedichte und ein Journalist zwischen Moral und Realität.

Satire kann schmerzhaft sein. Zornfried von Jörg-Uwe Albig ist in der Tat schmerzhaft – und das auf die beste Art. Wer auf neue oder alte Nazis hereinfällt, wird diesen Roman wohl kaum lesen, oder sich einreden: Das bin ich nicht, das kann mir nicht passieren.

Für alle anderen ist der Roman ein aufschlussreicher Einblick – nicht nur für Journalistinnen und Journalisten.

Jan Brock, ein freier Journalist, landet tief im Spessart. Anlass ist ein öffentlicher Kommentar über Storm Linnés Lyrik – die „andere Seite“ will eine Richtigstellung erzwingen. Brock soll „vom Schreiber zum Mann“ werden und begegnet dabei jungen Nazis, Möchtegern-Sturmtruppen und einem Burgherrn, der wie aus einem Altersheim wirkt.

„Auf Zornfried ist alles alt: die Bücher, deren Alter wichtiger ist als der Inhalt, und erst recht der Burgherr selbst.“

Albigs erfundene 35 Gedichte – schwülstig und pathetisch – erinnern an Stefan George, an Theodor Storm, an Carl von Linné. Storm Linnés Verse („die birke ringt sich hoch zum äther…“) sind so überdreht, dass man beim Lesen laut lachen möchte.

Doch die satirische Oberfläche bricht bald auf. Brock wird Zeuge jener kruden Gedankenbilder, mit denen sich die Neue Rechte vom historischen Nationalsozialismus abzugrenzen versucht – und gleichzeitig geistig an ihn anknüpft. Begriffe werden weichgespült, Geschichte umgedeutet: Die „Gauführerschule“ von Zornfried? Keine „Teufelsküche“, sondern angeblich eine „Verwaltungsakademie“. Es war ja alles so edel …

„Die Phrasen sind so hohl, dass sie leicht durchschaubar wären – allerdings nicht für die Auf Linie Gebrachten.“

Brock gerät zwischen moralische Pflicht und die Verlockungen der Burgherren. Kollegin Jenny Zerwein führt ihn behutsam in die Analyse der Szene ein. Der Roman zeigt, wie leicht man sich moralisch „gemein machen“ kann – selbst als Journalist.

„Journalisten dürfen sich nicht gemein machen – weder mit einer guten noch mit einer schlechten Sache.“

Zornfried ist mehr als eine Zeitreise in die Vergangenheit. Der Roman ist ein humorvolles, scharfes Porträt der Neuen Rechten und ein Appell an journalistische Integrität.

Zornfried von Jörg-Uwe Albig, Klett-Cotta, Stuttgart 2019.