
Zuerst war ich skeptisch. Eine Hausmarke? Wahrscheinlich irgendwo in China produziert, klanglich eher in Richtung Sperrholz. Doch der Look hatte mich schon in der Thomann-App beeindruckt – was wiederum ein Alarmsignal sein könnte. Bei Gitarren ist es nämlich wie mit Schuhen: erst ausprobieren, dann kaufen.
Dann aber waren da diese Armauflagen zu sehen, die dazu beitragen sollen, dass sich das Instrument kleiner anfühlt und noch besser „im Arm“ liegt. Und der Preis (für Skeptiker möglicherweise ein No-Go) überzeugte meine Musikerseele schließlich endgültig.
Ein paar Klicks weiter, drei Werktage später, war das gute Stück da. Ich wurde Besitzer einer Harley Benton CLC-650SM-CE VS Solid Wood.
Hier mein Test:
Was der Name verrät
Der sperrige Modellname lässt sich erstaunlich gut entschlüsseln. CLC steht für eine Concert-Gitarre mit Cutaway, also ein etwas kompakteres Format mit guter Erreichbarkeit der höheren Lagen. Die Zahl 650 markiert innerhalb der Harley-Benton-Reihe eine gehobenere Ausstattungsstufe. SM weist auf eine massive Mahagonikonstruktion hin – ein Detail, das klanglich mehr bedeutet als jede Marketingfloskel. CE steht für Cutaway und integrierte Elektronik, VS schließlich für das Vintage-Sunburst-Finish. „Solid Wood“ ist hier keine leere Behauptung, sondern ein entscheidender Hinweis: Diese Gitarre setzt nicht auf Laminat, sondern auf echtes Holz.
Überzeugt abgenommen
Klar, „Unpacking“ ist mittlerweile selbst ein Verkaufsargument – und ja, auch mir macht es großen Spaß, ein neues, in diesem Fall zudem wirklich gut geschütztes Instrument auszupacken. Natürlich habe ich die Gitarre sofort gestimmt und mit dem mitgelieferten Inbusschlüssel noch ein wenig angepasst; die Saitenlage war für meinen Geschmack etwas zu hoch eingestellt. Viel mehr gab es nicht zu tun.
Nach den ersten Songs war ich ziemlich baff – will sagen: positiv überrascht. Die Gitarre klingt voll, der Sound ist warm. Auch abgenommen überzeugt das Instrument, was gerade in den Höhen nach meiner Erfahrung keineswegs selbstverständlich ist. Ich habe den Eindruck: Diese Harley Benton will unbedingt auf die Bühne.
Die Armauflage war auch mir als – ich darf das nach bald 50 Jahren sagen – erfahrenem Gitarristen neu. Bei teureren Modellen hatte ich so etwas in den vergangenen Jahren zwar immer wieder gesehen, war mir aber nie sicher, ob das mehr ist als Show oder Make-up. Ist es nicht.
Nach den ersten Wochen mit dem Schätzchen muss ich urteilen: Die Armauflage trägt spürbar zu einem entspannteren Spiel bei. Man könnte es wohl Langzeitkomfort nennen. Auf jeden Fall hat Harley Benton der Gitarre hier ein wirklich sinnvolles Detail spendiert – auch wenn es bei anderen Herstellern abgeschaut ist.
Verdammt fairer Preis
Natürlich habe ich mich über den Preis gewundert. Für 349 Euro bekommt man hier eine wirklich gute Gitarre. Ich habe das Instrument nicht nur gespielt, sondern auch mit Argusaugen untersucht: Verarbeitungsmängel konnte ich bislang keine feststellen. Für meinen Geschmack ist das Schlagbrett vielleicht eine Spur zu groß – aber geschenkt.
Dass die Gitarren in Fernost hergestellt werden, ist bei Thomann kein Geheimnis – und muss es bei dieser Qualität auch nicht sein. Auch wenn man bei Gitarren immer über den ökologischen Fußabdruck sinnieren kann (und sollte).
Da ist es nur gut, dass diese Gitarre das Zeug zum dauerhaften Partner hat. Sie eignet sich sowohl für Anfänger als auch für ambitionierte, fortgeschrittene Spieler. Auf der Bühne sorgt die CLC-650SM-CE VS Solid Wood gelegentlich für kleine Aha-Momente – dann nämlich, wenn andere Gitarristen den Schriftzug auf der Kopfplatte erkennen: „HB“. Das ist doch … Ja, genau das ist es. Mir jedenfalls macht dieses Instrument jetzt schon jede Menge Freude.
Die Skepsis vom Anfang ist verschwunden. Geblieben ist eine Gitarre, die gespielt werden will.