Literarische Wege, Folge 2.

Unterwegs sein, sehen, erinnern – und Worte finden. In dieser Serie folge ich Spuren von Dichtern und Geschichten an realen Orten: von alten Burgruinen bis zu Blumeninseln, von städtischen Parks bis zu Dörfern am Wasser. Jeder Ort erzählt – manchmal laut, manchmal leise. Ich höre zu und schreibe auf.

Viel ist von der Burg oberhalb des Örtchens Sipplingen am Bodensee nicht zu sehen. Es reicht aber, sich die Geschichten vorzustellen, die hier passiert sein könnten.

Es geht bergauf. Weiter und weiter.
Ich bin allein.

Der kühlende See liegt im Hintergrund, der Wald wird dichter. Ich sehe das Wasser nur, wenn ich mich wirklich anstrenge.
Und überhaupt: ich strenge mich an. So steil ist der schmale Weg.

Es ist heiß heute.

Und dann – zwischen Wald und Felsen – die Reste der Burg.
Ein schmaler Pfad führt mich hin. Nur noch ein paar Meter.

Hinter der letzten Wende steht links eine rote Bank.
Ich habe jetzt keine Zeit; ich will sehen, was von der Geschichte geblieben ist.

Oder von den Geschichten.

Ich berühre die Mauer und schließe die Augen.
Ich will mir Zeit lassen.


Die Mauern haben also nicht nur Steine, sondern auch Geschichten bewahrt – von einem Minnesänger und einem freigiebigen Burgfräulein.
Davon erzähle ich demnächst…