Literarische Wege, Folge 1.

Unterwegs sein, sehen, erinnern – und Worte finden. In dieser Serie folge ich Spuren von Dichtern und Geschichten an realen Orten: von alten Burgruinen bis zu Blumeninseln, von städtischen Parks bis zu Dörfern am Wasser. Jeder Ort erzählt – manchmal laut, manchmal leise. Ich höre zu und schreibe auf.

Hölderlin-Denkmal im Kurpark Bad Homburg vor der Höhe.

Hölderlins Ruheort war kein Friedhof.
Hölderlins Ruheort war ein Park.
Geholfen hat es ihm nicht.

Aber immerhin hatte er das Rauschen gehört. Hier in Bad Homburg vor der Höhe.

Wir hören es auch.

Und wir hören einen alten Mann, der Gitarre spielt. Flamenco. Gar nicht so schlecht. Wir wechseln Blicke. Weiß er, dass auch ich musiziere?

Dann hören wir eine Nilgans. Dann noch eine. Und noch eine. Vielleicht Hunderte.
Dann bricht das alles wieder ab.

Hier treffen wir uns, auf dem Weg ins Wiesthal.

Jetzt gibt es dieses Denkmal, das Hölderlin nicht ahnen konnte und das wohl fern seiner Vorstellung war.

Hölderlin beschloss zu dichten. Und Susette war weit.

Es gelang den beiden nicht, das schier unmenschliche Format, das sie sich mit ihrer gewaltsamen Größe gesetzt hatten, durchzuhalten….

Ulrich Häussermann, 1961